Bundesrat Haushalt 2004 abgelehnt
Berlin - Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber nannte den Einspruch einen "außergewöhnlichen Schritt". Die Länder wollten ein "deutliches Zeichen setzen gegen den Marsch in den Schuldenstaat". Die Neuverschuldung steige in astronomische Höhe und übersteige bei weitem die im Etat vorgesehenen Investitionen. Strikte Sparmaßnahmen seien das Gebot der Stunde.
Ohne Sparkurs gebe es einen Generationenkonflikt ohne Gleichen, sagte der CSU-Vorsitzende. Heute Schulden zu machen, sei bequem, zeuge aber nicht von Verantwortung für die Zukunft. Die Bundesregierung sei nicht rechtzeitig auf die Ausgabenbremse getreten.
Stoiber kritisierte, Deutschland überschreite 2004 zum dritten Mal die EU-Stabilitätskriterien. Die Defizite liefen aus dem Ruder. Der Haushalt als "Schicksalsbuch der Nation" dürfe nicht mit solchen Fehlern behaftet sein. Stabilität des Haushalts und Flexibilisierung bei der Arbeitszeit seien nötig, um Arbeitsplätze in Deutschland zu erhalten.
Bundesfinanzminister Hans Eichel kritisierte, die Union habe das Gesetz zum Abbau der Steuervergünstigungen blockiert und trage damit Mitschuld an der Höhe der Neuverschuldung. Auch müsse Stoiber die Steuerreformvorschläge vom Tisch nehmen, die weitere Einnahmeausfälle produzieren würden, statt solche "Schaufensterreden" zu halten. Auch solle der Minister konkrete Vorschläge machen, wo noch eingespart werden müsse. Die Verzögerung durch Anrufung der Vermittler habe nur bewirkt, dass die Investitionen nicht freigegeben werden konnten.
Keine Einigung im Vermittlungsausschuss
Im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat war über beide Haushaltsgesetze keine Einigung möglich gewesen. Zustimmungspflichtig sind die Gesetze nicht.
Der Haushaltsplan 2004 sieht bei einem Volumen von mehr als 257 Milliarden Euro eine Nettokreditaufnahme von 29,3 Milliarden Euro vor. Diese Summe liegt um rund 4,7 Milliarden über den Investitionen (24,6 Milliarden Euro).
Mit dem Nachtragshaushalt 2003 steigt die Neuverschuldung von 18,9 Milliarden Euro auf 43,4 Milliarden. Das sind rund 16,7 Milliarden mehr als die für Investitionen vorgesehene Summe (26,7 Milliarden Euro). Die Bundesregierung hat die eigentlich verfassungswidrige Situation mit der Abwehr einer Störung des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts begründet.