Bundestag Fraktionschefs im Chat
Hamburg - Chat klingt vielleicht in den Ohren der Organisatoren zu profan. Die offizielle Bezeichnung für die vier anderthalbstündigen Termine lautet "Online-Konferenz des Deutschen Bundestages mit den Fraktionsvorsitzenden". Die inhaltliche Überschrift heißt: "Wie die Bundestagsparteien Politik gestalten wollen".
Den Anfang in der Chatrunde macht Roland Claus von der PDS am 1. Juli von halb zwölf bis ein Uhr mittags. Auf der Homepage des Bundestages erklärt er vorab - wie seine Mitchatter auch - in drei Absätzen, warum der Wähler seine Stimme der PDS geben sollte: Gegen Krieg, für Arbeitsplätze, für einen selbstbewussten Osten.
Von halb eins bis zwei Uhr chattet am nächsten Tag die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Kerstin Müller. "Grün macht den Unterschied", wirbt sie. Mit ihrer Partei bleibe Deutschland ein weltoffenes, soziales und tolerantens Land.
Tag drei der Online-Konferenz ist der Tag des Friedrich Merz, Unionsfraktionschef. Er muss den Online-Konferenzteilnehmern den Regierungswechsel schmackhaft machen. Das macht er mit dem Szenario: Überregulierter Arbeitsmarkt, zu hohe Steuern und gegängelte Gesellschaft. Im Netz lässt er sich am 3. Juli von 16 Uhr bis 17 Uhr 30 fragen.
Als letzter geht SPD-Mann Peter Struck an die Tastatur. "Wir sind auf einem guten Weg", kündigt er seine message für den 4. Juli auf der Bundestags-Homepage an. Er will sich dann am frühen Abend von 18 Uhr bis 19 Uhr 30 den Fragen stellen.
Die Woche hat fünf Arbeitstage, der Bundestag fünf Fraktionschefs. Warum macht Wolfgang Gerhardt, FDP-Fraktionsvorsitzender, nicht mit? Der hat keine Zeit, heißt es bei den Organisatoren im Bundestag.