Bundeswehr-Einsatz Vorsicht, Einheimische!
Rostock - Der Sachse ist gewarnt: Nicht mit den Einheimischen einlassen und aufpassen bei den "Viechern, die es da unten gibt". Denn der Soldat wurde von der Bundeswehr auf seinen Einsatz vor der Küste Somalias vorbereitet. Auch mental. Wenn Deutschlands Marine ausläuft, um den Terrorismus zu bekämpfen, ist der Hauptgefreite dabei: "Kommste mal ein bisschen rum!"
Zu Hause wohnt der Techniker, den seine Freunde Timo nennen, bei den Eltern auf dem Bauernhof. Jetzt tauscht er das Leben zwischen Schafen und Hühnern ein gegen 40 Grad im Schatten, giftige Spinnen im Hafen und eine Kabine mit acht Leuten. Aber Timo wollte es so. Er dient freiwillig länger. Bisher hat er noch keine große Tour gemacht, "dann wenigstens das." Schließlich ist da ja auch noch die Sache mit dem Geld, mit dem "Auslandsverwendungszuschlag". Auf dem Balkan erhielten die Friedenssoldaten bis zu 180 Mark pro Tag extra. Wenn er wiederkommt, meint Timo, wird er schon "ordentlich was auf dem Konto haben".
Das sieht nicht nur der 20-Jährige so. Die meisten, die sich zur Mission "Enduring Freedom" gemeldet haben, machen das, weil die Bezahlung stimmt, erzählt ein Kamerad. Der wäre selbst auch gern dabei gewesen, um "an Erfahrung zu gewinnen", wurde aber nicht gefragt.
Von der kalten Ostsee in heiße Gefilde
Erfahrung sammeln - das heißt für Timo, nicht nur mit den Jungs an Bord klarzukommen. Das heißt genauso, technische Herausforderungen zu meistern. Er vermutet: "Da wird ziemlich viel kaputt gehen, und wenn man das repariert, da lernt man viel." Probleme könnte es zuhauf geben: Wie klappt das mit der Kühlung der Motoren, wenn das ins Boot gepumpte Meerwasser viel wärmer ist als sonst? Und wie wirkt sich der höhere Salzgehalt des Wassers auf die Rohre aus? Die Schiffe wurden schließlich für die kalte Ostsee konzipiert.
Am wenigsten Lust hat Timo auf die Hitze. Denn er arbeitet im Maschinenraum. Da ist es drinnen warm und draußen sowieso. Und unter freiem Himmel schlafen, wie bei den Mittelmeerfahrten - daraus wird wohl dieses Mal nichts. Das ist Timo klar, obwohl er keine Angst vor dem Einsatz hat: "Was soll denn da groß sein?" Er schätzt das Risiko nicht höher ein als beim Straßenverkehr. Sein Horrorszenario ist ein ganz anderes: Die Boote im Heimathafen werden ausgeschlachtet, die Ersatzteile gehen an die Front, und am Ende ist alles Schrott.
Für Timo ist der Einsatz vor allem ein Symbol, nach dem Motto: "Wir haben mal mitgemacht gegen den Terror." Die Amerikaner sollen bloß nicht denken, sie müssten alles alleine machen.
Genau deshalb lehnt ein anderer Kamerad, der sich als Robert ausgibt, das ganze Unternehmen ab. Erst hat er überlegt, mitzufahren: "Abenteuer und so." Aber eigentlich verurteilt er die Rolle Deutschlands: "Manchmal kommt es mir so vor, als seien wir nur die Kolonie der USA." Bomben auf Afghanistan findet er nicht gut, auch wenn "die Taliban schon krasse Leute sind". Als Robert klar wurde, dass der Einsatz für die Marinesoldaten eher unspektakulär ist, hat er sich endgültig dagegen entschieden. Jetzt ist er auf ein anderes Boot versetzt worden. Seine politische Meinung hat Robert nicht an die große Glocke gehängt. Den Vorgesetzten und Kameraden hat er erzählt, dass er wegen der Freundin nicht weg will aus Deutschland. Das, glaubt er, verstehen die.
Für Timo ist das alles einfacher. Er wird ein paar Science-Fiction-Bücher in den Seesack stecken und viele Rock-CDs. Denn bei der Bundeswehr haben sie ihm gesagt: "Wir sollen uns auf jeden Fall beschäftigen."