Bundeswehr Scheinerschießungen bei Antiterror-Training
Berlin - Es werde Vorwürfen aus Stuttgart und Bruchsal bei Karlsruhe nachgegangen, sagte ein Ministeriumssprecher in Berlin. Offenbar sind es erneut erschreckende Berichte.
Die "Welt" berichtet von Scheinerschießungen auf dem Flughafen Stuttgart. Im Oktober vergangenen Jahres soll dort bei einer Übung des Flugmedizinischen Dienstes der Luftwaffe ein Überfall palästinensischer Terroristen simuliert worden sein. An der Übung soll auch ein Sondereinsatzkommando (SEK) der Polizei teilgenommen haben.
Die 25 Teilnehmer des Lehrgangs hätten sich in eine ausgemusterte Tupolev begeben müssen. Drei Polizeibeamte hätten die Rolle der Terroristen übernommen. Dem Bericht zufolge gab es dabei "Scheinerschießungen des Piloten und von Passagieren". Beteiligten seien auch Jutesäcke über die Köpfe gestülpt worden. Die Passagiere seien von den SEK-Beamten mit Wasser in Nacken und Genitalbereich überschüttet worden. Widerwillige Passagiere seien von den SEK-Beamten angebrüllt worden: "Are you a jew, a damned fucking jew?"
Den Teilnehmern seien die Details vorher nicht bekannt gewesen, schreibt die "Welt" unter Berufung auf Zeugen. Zudem sei die Aktion ohne Einverständnis der Teilnehmer gefilmt worden, um einen Lehrfilm zu erstellen.
Der "Tagesspiegel" schreibt, in Bruchsal seien wie in Coesfeld und Ahlen junge Soldaten in einer Geiselübung von Ausbildern malträtiert worden. Der Chef des Bundeswehrverbands, Bernhard Gertz, warnte, nun nicht irgendwelche Kleinigkeiten aus anderen Kasernen mit den wirklich üblen Geschichten aus Coesfeld in einen Topf zu werfen. Es gebe in der Bundeswehrausbildung keine strukturellen Probleme.