Bundeswehr-Unfall in Afghanistan: Nun soll die Hardthöhe aufklären - DER SPIEGEL
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Bundeswehr-Unfall in Afghanistan Nun soll die Hardthöhe aufklären

Deutsche Soldaten haben beim Explosionsunglück von Kabul ganz offensichtlich geschlampt. Wer für die Fahrlässigkeiten verantwortlich ist, muss allerdings noch geklärt werden.
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Lüneburg - Die Soldaten seien unsachgemäß vorgegangen, sagte Oberstaatsanwalt Jürgen Wigger von der Staatsanwaltschaft Lüneburg. Es gebe eindeutige Indizien, dass dies zur Explosion der russischen Rakete geführt habe, bei der vor über zwei Wochen drei dänische und zwei deutsche Soldaten starben.

Oberstaatsanwalt Wigger bezog sich in seinen Auskünften auf die Akten, die die Potsdamer Staatsanwaltschaft zusammengestellt hat. Wigger sagte, jetzt müsse geklärt werden, wer für die Fahrlässigkeiten bei der Bombenentschärfung verantwortlich sei. Die Bundeswehr müsse sich in dieser Frage äußern, erklärte der Lüneburger Oberstaatsanwalt.

"Die Akten sind noch ziemlich vorläufig", sagte Wigger, "die Ermittlungen stützen sich erst auf einige wenige Zeugenaussagen." Befragt worden seien bisher zwölf deutsche Soldaten. Nur einige von ihnen hätten sich aber zum Vorfall geäußert. Das ist den Ermittlern offensichtlich zu wenig: "Wir brauchen von der Bundeswehr Kenntnis über die Befehlslage und die Umstände", erklärte Wigger. Der Staatsanwalt will aber zusätzlich auch noch einen Sachverständigen fragen, wie er das Verhalten der deutschen Soldaten beim Entschärfen der Rakete beurteilt.

Völlig offen sei noch, ob gegen einen 31-jährigen Oberfeldwebel aus dem niedersächsischen Munster ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung eingeleitet werde. Der Oberfeldwebel leitete gemeinsam mit einem zweiten Oberfeldwebel aus Rendsburg den Einsatz in Kabul. Die Staatsanwalt Lüneburg hat die Ermittlungen von der Potsdamer Behörde übernommen, weil der Bundeswehrstandort des betroffenen Oberfeldwebels in ihren Zuständigkeitsbereich fällt.

Nach Angaben von Wigger wollen die Ermittler jetzt vor allen Dingen klären, ob der Rendsburger Oberfeldwebel, der den Sprengkopf mit einem Hammer bearbeitete , alleine für die Explosion verantwortlich ist oder ob der 31-jährige Oberfeldwebel aus Munster das Fehlverhalten gesehen hat und eventuell hätte verhindern können.

Dass die deutschen Soldaten die Rakete überhaupt entschärften und nicht - wie sonst üblich - sprengten, ist offensichtlich Folge eines "Brigadebefehls". Was dieser Befehl genau beinhaltete, konnte Wigger nicht sagen. Der Befehl an sich sei höchstwahrscheinlich strafrechtlich unbeachtlich: "Die Fähigkeit und die Möglichkeit, eine solche Rakete zu entschärfen, anstatt sie in die Luft zu jagen, war gegeben", meinte Wigger.

Wigger und die Lüneburger Staatsanwaltschaft haben der Bundeswehr damit signalisiert, dass sie jetzt zur Aufklärung des Unglücks beitragen muss. Ein Sprecher der Bundeswehr wollte sich am Montag gegenüber SPIEGEL ONLINE nicht zum Sachverhalt äußern.

In einem Zeitungsinterview hatte Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) am Sonntag erklärt, die vorläufigen Ergebnisse der Untersuchungen von deutschen und dänischen Experten seien den Staatsanwälten ausgehändigt worden. "Spekulationen angesichts des Todes von fünf Menschen verbieten sich jedenfalls", sagte Scharping.