CDU: Buße, Basis, Bedenken - DER SPIEGEL
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CDU Buße, Basis, Bedenken

Nach dem Patriarchat Kohl entdeckt die CDU nun die Basis. Und die weiss, was sie will: Angela Merkel.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Die Geste mit der Torte war Angela Merkel dann wohl doch etwas peinlich. Eine Situation die typisch war, für die CDU in diesen Tagen. Rhythmisch klatschten die Menschen im Saal, die CDU-Basis feierte ihre Generalsekretärin, ihre neue Mutter Courage. Einen Moment lang aber stand diese steif auf der Bühne und zögerte. Denn gerade erst hat sie den 600 Mitgliedern auf der Regionalkonferenz im Berliner Palais am Funkturm erklärt, jetzt werde erst einmal diskutiert. Die Partei müsse dies aushalten. Erst am 20. März werde entschieden, wer für den CDU-Vorsitz kandidiert. Aber die Basis will nicht so, wie sie wohl will. Auf der geschenkten Torte stand, mit Schokolade gemalt, die leicht holprig gedichtete Botschaft: "Prima, die CDU wählt Angela."

Da kann Parteichef Schäuble noch so oft betonen, die Regionalkonferenzen seien kein Schaulaufen für die mögliche Kandidatin. Vielmehr wolle man nun in die Partei hineinhorchen, keine Vorgabe von oben machen. Doch die gebeutelten CDU-Mitglieder feiern in diesen Tagen Land auf Land ab ihre Generalin. Zwar trifft sich am Montag erneut das CDU-Präsidium in Berlin, um zu beraten. Aber während dort voraussichtlich die jüngste Bimbes-Aktion von Helmut Kohl im Mittelpunkt stehen wird, kann Angela Merkel noch am gleichen Abend auf der nächsten Regionalkonferenz für Schleswig-Holstein bereits wieder die Basis-Liebe genießen.

Der Soziologe Theodor Geiger hat im Jahre 1926 die Masse noch als "unheimliches Gespenst" mystifiziert, "das dem Hausherrn sein Heim zu verleiden gewillt ist. Es wird ihn zwingen, die alten Hallen zu verlassen, oder es wird mit unwiderstehlicher Geisterhand den Bau in Schutt und Asche legen." In der Union geht die Masse gerade genau den umgekehrten Weg. Das Haus CDU abgebrochen hatte der Hausherr persönlich. Der Neuaufbau wird ganz maßgeblich von unten getragen. Weder der Strippenzieher Kohl, noch der bayerische Löwe Stoiber oder die weise Eminenz aus Sachsen, Biedenkopf, werden den neuen CDU-Vorsitzenden inthronisieren. Alle Gespräche in Hinterzimmern scheinen derzeit zum Scheitern verurteilt, weil die Basis das Selbstvertrauen wiederfindet, das ihnen ihr Patriarch abgenommen hatte.

Wenn der noch amtierende Chef und mit sicherem Instinkt ausgestattete Schäuble bereits laut über eine Mitgliederbefragung nachdenkt, dann weiß jeder, was die Stunde geschlagen hat. Schäuble ist kein Freund von Urwahlen. Er kennt die katastrophalen Ergebnisse, die die SPD damit erzielte. Aber er weiß, trotz Buße und Bedenken, es geht nur noch so: Mit der Basis immer, gegen sie nimmer. Zumindest bis zum 20.März.