CDU/CSU Fraktions-Ehe seit 1949
Berlin - Die beiden Schwesterparteien bilden seit 1949 eine Fraktionsgemeinschaft im Bundestag. Bis 1969 mussten sich die Unions-Parteien diese jeweils mit der Mehrheit des Bundestages bestätigen lassen. Diese Abstimmung entfiel mit der damals geänderten Geschäftsordnung. Seitdem können sich laut § 10 Absatz 1 der Geschäftsordnung Mandatsträger zu einer Fraktion zusammenschließen, "die derselben Partei oder solchen Parteien angehören, die auf Grund gleichgerichteter politischer Ziele in keinem Land miteinander im Wettbewerb stehen". Die CSU gibt es nur in Bayern, die CDU in den anderen 15 Bundesländern.
Die Vereinbarung zur Fortführung der Fraktionsgemeinschaft muss von CDU und CSU zu Beginn jeder Legislaturperiode erneuert werden. Bereits am Dienstag unterzeichneten CDU-Chefin Angela Merkel und ihr CSU-Pendant Edmund Stoiber eine dreiseitige Vereinbarung, die von der neuen Fraktion einstimmig angenommen wurde. Die CSU hat innerhalb der gemeinsamen Fraktion mit der CDU bestimmte Sonderrechte. Die CSU-Landesgruppe stellt automatisch den ersten Stellvertreter der Fraktionsvorsitzenden. Die CSU-Landesgruppe unterhält auch eine eigene Pressestelle.
Einmal in der Geschichte der Bundesrepublik stand die Union vor dem Aus. Nach der verlorenen Bundestagswahl 1976 kündigte die CSU-Landesgruppe unter Franz Josef Strauß im oberbayerischen Wildbad Kreuth die Fraktionsgemeinschaft auf. Die Abgeordneten versprachen sich als eigene Fraktion ein schärferes Profil und mehr Geld aus der Staatskasse. Die Trennung wurde am 19. November 1976 nach zwölfstündiger Diskussion mit 30 gegen 18 Stimmen beschlossen. Der Paukenschlag war gewaltig. Die CSU ruderte aber schon drei Wochen später zurück, nachdem die CDU gedroht hatte, einen eigenen Landesverband in Bayern zu gründen. Seither ist bei Muskelspielen der CSU gegenüber der Schwesterpartei vom Kreuther Geist die Rede, insbesondere zu Jahresbeginn, wenn sich die CSU-Landesgruppe in Wildbad Kreuth zur Klausur trifft.
Im neu gewählten 16. Deutschen Bundestag kommen CDU und CSU zusammen auf 225 Abgeordnete, die SPD stellt 222 Parlamentarier (ohne Wahlkreis 160 in Dresden). Innerhalb der Union kommt die CDU auf 179 Mandate, die CSU hat 46. Würde die Unionsfraktion gespalten, wäre die SPD die stärkste Fraktion. Mit dieser Argumentation beanspruchen die Sozialdemokraten das Recht, die Regierungsbildung zu übernehmen.