CDU ratlos Wohin mit Schäuble?
Berlin - Die designierte CDU-Chefin Angela Merkel sagte am Freitag in einem Reuters-Interview, Schäuble werde nach der Spendenaffäre und den Auseinandersetzungen um Altkanzler Helmut Kohl (CDU) den Blick jetzt wieder nach vorn richten.
Merkel unterstützte ausdrücklich Schäubles Kandidatur für das Parteipräsidium auf dem Essener Parteitag am Montag, der Merkel zur Vorsitzenden küren soll. Er werde in seiner weiteren politischen Arbeit "zukünftige Fragen" mehr in den Vordergrund stellen. Aus der Fraktion war dem Noch-Parteichef vorgeworfen worden, mit Äußerungen über die Umstände seines Ausscheidens als Fraktions- und Parteichef "nachzukarten". Auf die Frage, ob sie dafür sei, Schäuble mit der Führung der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung zu betrauen, sagte Merkel, es sei jetzt nicht die Zeit, über andere Aufgaben für ihn zu spekulieren.
Schäuble bewirbt sich um einen Platz unter den sieben weiteren Mitgliedern des Präsidiums unterhalb der obersten Führungsspitze. Für die sieben Plätze werden in Essen voraussichtlich mindestens neun Kandidaten antreten.
Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid für den Nachrichtensender n-tv begrüßten 72 Prozent von rund 1000 befragten Bundesbürgern "dass der politische Neuanfang der CDU so radikal ausgefallen ist". Wofür die CDU programmatisch stehe, bezeichneten aber 69 Prozent als ein Rätsel. 52 Prozent jedoch glaubten, dass die CDU unter Merkel weiterhin eine konservative Partei bleiben werde. Der Umfrage zufolge würden sich 35 Prozent der Befragten für die CDU/CSU entscheiden, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre, nach 36 Prozent vor einer Woche. Die SPD könnte wie in der Vorwoche mit 39 Prozent rechnen, die FDP mit acht (plus ein Prozentpunkt), die Bündnisgrünen erneut mit sieben Prozent. Für die PDS sprachen sich sechs Prozent der Befragten aus.