CDU-Schwarzgeld Stasi wusste angeblich schon lange Bescheid
Berlin - Der Berliner "Tagesspiegel" beruft sich in seinem Bericht auf mehrere hundert Protokollseiten und Hinweise von Mitarbeitern des Ministeriums für Staatssicherheit. Danach habe die Stasi-Hauptabteilung III, zuständig für "Kontrolle und Überwachung von Funknetzen und Nachrichtenverbindungen der Nato-Staaten", Telefonate des ehemaligen Generalbevollmächtigten der CDU-Schatzmeisterei, Uwe Lüthje, systematisch abgehört und ausgewertet.
Unter anderem melde ein "streng vertraulich" eingestufter Hinweis der DDR-Funkabwehr im Juni 1980, "dass die CDU bei einer Bank in der Schweiz über ein Konto verfügt, auf dem offensichtlich über Deckadressen Gelder aus der BRD für die CDU eingezahlt werden können", schreibt die Zeitung. Protokolliert sei auch ein Gespräch zwischen Lüthje und dem damaligen Schatzmeister Walther Leisler Kiep im Juli 1976. Kiep habe darin von einem Gespräch mit Helmut Kohl berichtet, in dem Kohl gefragt habe: "Haben wir noch irgendwo irgendwas beiseite geschafft?".
Im Juli 1980 soll Lüthje einem Unternehmer, der 50.000 Mark spenden wollte, empfohlen haben, das Geld nicht direkt der CDU zu überweisen, "da es sonst im Rechenschaftsbericht ausgewiesen werden müsse". Stattdessen, so heißt es dem "Tagesspiegel" zufolge in der Gesprächszusammenfassung der Stasi, solle der Betrag an die "Vereinigung Politik und Wirtschaft in der Bundesrepublik" gehen. Darüber sei auch schon mit Kiep gesprochen worden.
Mit "streng vertraulich" sei auch eine Stasi-Information vom Oktober 1976 über eine Wahlkampfspende von 100.000 Mark versehen: Das Geld von der "August Thyssen Hütte AG" werde "am 4. September 1976 über die 'Staatsbürgerliche Vereinigung' erwartet" - eine der Spendenwaschanlagen der CDU.