CDU-Streit über Kohl Wahlkampfhilfe oder Altlast?
Berlin - Der frühere CDU-Parteichef Wolfgang Schäuble übte - wenn auch verhalten - Kritik am angekündigten Wahlkampfeinsatz des Altkanzlers. Er äußere sich zwar seit annähernd zwei Jahren nicht mehr zu Kohl, sagte Schäuble. Aber vielleicht sei es besser, wenn er sich ein bisschen zurückhalte. "Man soll nicht ganz vergessen, wie das Wahlergebnis von 1998 war."
Scharfe Kritik hatte zuvor Heiner Geißler geäußert. Kohls geplante Wahlkampfunterstützung für die Berliner CDU sei eine Entwicklung, die der Partei nicht gut tue, sagte Geißler am Donnerstag im Deutschlandfunk. Ein Eingreifen Kohls halte er für unverantwortlich, solange die Spendenaffäre nicht vollständig aufgeklärt sei. Kohl erweise seiner Partei damit keinen Dienst. Für einen Erfolg bei der Wahl in Berlin und bei der Bundestagswahl sei es wichtig, dass die Glaubwürdigkeit der CDU und auch ihrer Parteiführung unangetastet sei.
Merkel angeschlagen?
Die angeschlagene Rolle der Parteichefin ist offenbar einer der Gründe, warum einige CDU-Mitglieder fürchten, dass ein Einsatz von Polit-Schwergewicht Helmut Kohl kontraproduktiv wäre. Das Horror-Szenario der Christdemokraten sähe so aus: Angela Merkel, die in einer kleinen Halle vor einer Hand voll Zuschauern über die "Wir-Gesellschaft" philosophiert. Und ihr Ziehvater Kohl, der an exponierter Stelle, beispielsweise dem Brandenburger Tor, vor Tausenden über seine Leistungen zur deutschen Einheit schwadroniert - und damit die Parteichefin demontiert.
Geißler übte denn auch Kritik am Vorgehen der Berliner Union bei der Nominierung des CDU-Spitzenkandidaten. Für die CDU tritt nicht der frühere Parteichef Wolfgang Schäuble an, für den sich auch Parteichefin Angela Merkel stark gemacht hatte, sondern der bundesweit relativ unbekannte Berliner Fraktionschef Frank Steffel. "Ein solches Verfahren, wie es sich bei der Benennung des CDU-Spitzenkandidaten für die Wahl in Berlin abgespielt hat, ist natürlich schon dazu geeignet, die Position der Parteivorsitzenden Angela Merkel zu schwächen", sagte Geißler.