CDU Zoff um christliche Werte
Berlin - CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer wies in der "Berliner Morgenpost" Vorwürfe der Sozialpolitiker Heiner Geißler und Norbert Blüm zurück, ihre Partei vernachlässige das christliche Menschenbild.
"Anregungen verdienter Sozialpolitiker sind immer hilfreich. Sie sollten aber die zurzeit in der CDU stattfindenden Diskussionen zur Kenntnis nehmen", sagte Meyer. Die CDU sei und bleibe die Partei der sozialen Marktwirtschaft. Meyer ging nicht direkt auf die Kritik Geißlers ein, die CDU vernachlässige in ihrer Politik christliche Werte.
Der ehemalige CDU-Generalsekretär Geißler hatte seine Partei aufgefordert, das christliche Menschenbild wieder stärker zur Richtschnur ihres politischen Handelns zu machen. "Die CDU ist dabei, sich zu verrennen", sagte der 71-Jährige. Sie gerate hier in Widerspruch zu ihrem Menschenbild. Nicht die Liebe zum Volk, sondern die Liebe zum Nächsten sei danach die dauerhafte moralische und emotionale Grundlage des Zusammenlebens.
Meyer erinnerte dagegen daran, dass die CDU-Vorsitzende Angela Merkel in ihrem Grundsatzartikel zur "Wir-Gesellschaft" eindeutig Position bezogen habe. An die Adresse von Blüm und Geißler sagte Meyer, man müsse das Merkel-Papier nur lesen und erkenne sofort, "dass die CDU in Zukunft Wirtschafts- und Sozialkompetenz für untrennbar hält". Vorwürfe, die Parteispitze müsse besonders wirtschaftspolitisch umsteuern, wies Meyer mit dem Hinweis auf die laufende innerparteiliche Programmdebatte zurück.
Der frühere Arbeitsminister Blüm hatte soziale Gerechtigkeit angemahnt und die CDU vor einem "Verrat am C" gewarnt. Geißler hatte die CDU zu einem Schwenk in der Wirtschaftspolitik aufgefordert. Sie dürfe sich nicht an dem "Tanz um das goldene Kalb" - der "Akkumulation von Reichtum ohne soziale Verantwortung" - beteiligen. Der Kapitalismus sei genauso falsch wie der Sozialismus. Die CDU sei "die Mutter der sozialen Marktwirtschaft und muss daher im Zeitalter der Globalisierung zur Vorreiterin einer internationalen Marktwirtschaft werden".