Eklat bei Münchner Sicherheitskonferenz "Terrorist" Özdemir unter Polizeischutz
Cem Özdemir
Foto: Sebastian Gollnow/ dpaBei der Münchner Sicherheitskonferenz wohnt Cem Özdemir ausgerechnet im selben Hotel wie die türkische Delegation. Der Grünen-Politiker soll deshalb unter Polizeischutz stehen, berichtet die "Welt" unter Berufung auf einen Polizeisprecher.
Die Münchner Polizei konnte das auf Anfrage des SPIEGEL zunächst nicht bestätigen. Özdemir hat den Artikel der "Welt" allerdings auf seinem Twitter-Account geteilt.
Der frühere Grünen-Vorsitzende übt immer wieder scharfe Kritik an der Menschenrechtslage in der Türkei.
Sicherheitskonferenz: Cem Özdemir, der „Terrorist“ im Münchner Hotel https://t.co/7UX4PUQkzB via @welt
— Cem Özdemir (@cem_oezdemir) February 17, 2018
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Laut dem Bericht sollen sich die türkischen Delegierten beschwert haben, in ihrem Hotel sei ein "Terrorist" untergebracht. Gemeint war offenbar Özdemir. Nach massiven Interventionen der türkischen Delegation soll Özdemir nun ständig von mehreren Sicherheitsbeamten begleitet werden.
Kaffee und Croissant auf dem Zimmer
Laut "Welt" sollen ihm die Polizisten sogar abgeraten haben, im Hotel zu frühstücken. Stattdessen sei er gebeten worden, seinen Kaffee und ein Croissant auf dem Zimmer einzunehmen. Özdemir soll das ausgeschlagen und direkt zur Konferenz gefahren sein.
Drei bayerische Beamte begleiten den ehemaligen Chef der Grünen nun offenbar über das Wochenende. Sie sollen von der Delegation eines nicht genannten Nato-Partners abgezogen worden sein. Zu Terminen werde Özdemir in einem Polizeifahrzeug gebracht. Zum Hintergrund und zum Umfang der Schutzmaßnahme wollte die Polizei keine Angaben machen.
"In Deutschland nichts verloren"
Özdemir sagte der "Welt", er sei der türkischen Delegation am Freitag zufällig in der Hotellobby begegnet. "An ihrem Gesichtsausdruck konnte ich ablesen, dass sie nicht erfreut waren, mich zu sehen."
Özdemir sagte, der Vorgang bestätige seine Einschätzung "über die Natur des Regimes in Ankara". Man bekomme "einen Eindruck, welche Aggressivität von diesem Unsicherheitspersonal wohl in der Türkei ausgeht, wenn sie sich bei uns schon so aufführen".
Es sei "schlimm genug, dass Recep Tayyip Erdogans Schergen unter Andersdenkenden Angst und Schrecken verbreiten", fügte Özdemir hinzu. "Aber in Deutschland hat es nichts verloren."