Chronik Die Stationen der Protokollaffäre
Berlin - Die Affäre um die Veröffentlichung des vertraulichen
Protokolls eines Gesprächs zwischen Kanzler Gerhard Schröder und
US-Präsident George W. Bush beschäftigt inzwischen den Bundestag.
Für besondere Brisanz sorgte eine Anmerkung im Protokoll, die so
interpretiert wurde, dass der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi
die Beteiligung an terroristischen Anschlägen eingeräumt habe. Die
wichtigsten Stationen der Protokollaffäre:
17. März 2001: Der außenpolitische Berater des Bundeskanzlers,
Michael Steiner, trifft in Tripolis mit dem libyschen Staatschef
Muammar al-Gaddafi zusammen.
29. März: Anlässlich des Antrittsbesuches von Bundeskanzler
Gerhard Schröder beim neuen US-Präsidenten George W. Bush findet im
Weißen Haus eine größere Gesprächsrunde statt. An ihr nehmen neben
Bush und Schröder auch Kanzlerberater Michael Steiner, Außenminister
Colin Powell und Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice sowie der
deutsche Botschafter und designierte Staatssekretär im
Außenministerium, Jürgen Chrobog, teil.
31. März: Chrobog sendet ein Fax über Details des Gespräches im
Weißen Haus an das Auswärtige Amt. Auch Gaddafis angebliches
Geständnis gegenüber Steiner, Libyen habe sich an terroristischen
Aktionen (La Belle, Lockerbie) beteiligt, ist in dem Protokoll
festgehalten.
14. Mai: Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet über den
Inhalt des geheimen Fernschreibens.
15. Mai: Der Nebenankläger im Berliner "La Belle-Prozess" greift
dieses angebliche Geständnis auf und beantragt die Vernehmung des
außenpolitischen Kanzlerberaters.
16. Mai: Der Bundesregierung spricht den beiden
Spitzendiplomaten Steiner und Chrobog das "absolute Vertrauen" aus.
Sie klärt jedoch die Widersprüche in der Berichterstattung über die
Inhalte des Gesprächs Steiner/Gaddafi nicht auf.
17. Mai: Das Berliner Landgericht beschließt, beim Auswärtigen
Amt und beim Bundeskanzleramt Aussagegenehmigungen für Chrobog und
Steiner einzuholen.
18. Mai: Steiner signalisiert seine Bereitschaft zur Aussage im
Berliner "La Belle-Prozess".
19. Mai: Die US-Botschaft bittet das Auswärtige Amt um eine
schnelle Klärung, wie das als vertraulich eingestufte Schriftstück
an die Öffentlichkeit gelangen konnte.
21. Mai: Das Auswärtige Amt leitet eine Fahndung nach dem Leck
ein. Die Suche beschränkt sich zunächst auf den amtlichen Weg des
Protokolls.
22. Mai: Der russische Präsident Wladimir Putin bezeichnet die
Veröffentlichung des vertraulichen Berichts als Provokation.
23. Mai: Schröders Berater Steiner erhält auch eine
Aussagegenehmigung für den Auswärtigen Ausschuss des Bundestages.
25. Mai: Bundestagspräsident Wolfgang Thierse gibt dem Antrag
der Unionsfraktion statt, auch Chrobog solle vor dem Ausschuss
aussagen.
28. Mai: Die Regierung teilt mit, dass der Auswärtige Ausschuss
auch Außenminister Joschka Fischer zur Protokollaffäre befragen
wird.
30. Mai: Der Auswärtige Ausschuss befragt in einer vertraulichen
Sitzung den Außenminister, Steiner und Chrobog. Die Protokollaffäre
ist Thema der Fragestunde des Bundestages.