Cottbus Rechtsradikale überfallen Ausländer
Cottbus - Die vier polizeibekannten Verdächtigen im Alter von 17 bis 24 Jahren schlugen und traten einen libanesischen Asylbewerber, einen Aussiedler aus der Ukraine und drei Deutsche.
Die Rechtsradikalen riefen nach Zeugenaussagen außerdem vor der Schlägerei an einer Straßenbahnhaltestelle in einer Bahn "Sieg Heil" und "Ausländer raus". Die Polizei war von Taxifahrern verständigt worden, die von den Begleiterinnen der zwei 16 Jahre alten geschlagenen Deutschen um Hilfe gebeten worden waren. Die Beamten waren laut Polizei etwa eine Viertelstunde nach der Tat gegen 21 Uhr vor Ort. Auch ein 44-jähriger Passant wurde verletzt.
Alle vier Festgenommenen seien der Polizei zum Beispiel wegen Sachbeschädigung, Volksverhetzung und des Zeigens verfassungsfeindlicher Symbole bekannt, sagte Polizeisprecher Peter Boenki. Drei von ihnen seien bei ihrer Verhaftung betrunken gewesen.
Die Staatsanwaltschaft Cottbus wollte nach Angaben ihrer Sprecherin Petra Hertwig prüfen, ob sie Haftbefehle gegen die jungen Männer aus der Lausitzstadt und Frankfurt an der Oder beantragen wird. Sie befinden sich zurzeit in Polizeigewahrsam.
"Neonazis nicht das Feld überlassen"
Die evangelische Kirche in Cottbus hat für den Sonntag zu einem Mahngottesdienst und einem Demonstrationszug zu dem ehemaligen Standort der Synagoge aufgerufen. "Wir werden nicht Neonazis das Feld überlassen, die andauernd Schande über Cottbus und Brandenburg bringen", sagte Generalsuperintendent Rolf Wischnath. Dem jüngsten Zwischenfall sei die rassistische Attacke in Guben an der Grenze mit Polen zu Weihnachten und die Bedrohung eines Ehepaares jüdischer Herkunft in Cottbus am Neujahrsmorgen vorausgegangen. Der Cottbusser Polizeipräsident Jürgen Lüth, Innenstaatssekretär Eike Lancelle (CDU) und die beteiligten Polizeibeamten haben sich unterdessen bei dem jüdischen Rentnerpaar entschuldigt, das am Neujahrstag wegen rechtsextremistischer Drohungen die Polizei alarmiert hatte. Die Polizisten hatten den Eheleuten, die während der NS-Zeit verfolgt wurden, "Schutzhaft" angeboten, nachdem sie von jungen Männern mit dem Tod bedroht worden waren, wie Polizeisprecher Boenki sagte. "Dieser Begriff hat besonders bei dem Mann, dessen Vater von den Nationalsozialisten umgebracht wurde, die unangenehmsten Erinnerungen geweckt", sagte Boenki. In "Schutzhaft" seien die Juden im "Dritten Reich" genommen wurden. Die Beamten hätten aber nicht von der Vergangenheit der Geschädigten gewusst.