CSU Goppel und die Haselnuss-Postille
Hamburg - In der CSU sei seine frühere NPD-Funktion "kein Geheimnis", beteuert Karl Ludwig Bayer, Herausgeber des Magazins "Epoche". Außerdem habe er sich von seiner Vergangenheit längst distanziert. Hinter dem Magazin steht der rechtskonservative "Verband für Publizistik und Jugendbildung Epoche e.V." aus dem oberbayerischen Bad Reichenhall.
Die "Süddeutsche Zeitung" hatte in ihrer Donnerstagausgabe berichtet, dass der heutige CSU-Generalsekretär Thomas Goppel in seiner Zeit als bayerischer Umweltminister mit dem Engagement für die "Epoche" begonnen habe. Goppel firmiere als Schirmherr für den umstrittenen Verband.
Unter der Leitung von Bayer und durch die Hilfe Goppels sollen Kolonnen des Werbekaufmanns Karl Robitsch in den vergangenen Jahren eine siebenstellige Summe für den Verband eingesammelt haben. Die Provision war mit 55 Prozent noch höher als bei den umstrittenen Patenschaftsabonnements der CSU für das eigene Parteiblatt "Bayernkurier", die in Spenden umgewandelt wurden und vom Bundestag mit drei Millionen Mark bezuschusst wurden. Die "Epoche"-Werber waren angeblich mit einem Brief von Goppel an Bayer vom 20. März 2000 unterwegs, in dem sich der CSU-Generalsekretär für die Schirmherrschaft bedankt und geschrieben habe: "Solche Zusammenarbeit macht Freude! Herzlichen Dank!" Die Werber sammelten auch für konservative Jugendarbeit, mit den Spenden sollten "nicht linke" Jugendorganisationen unterstützt werden.
Glück verteidigt Goppel
Bei der CSU ist man angeblich "äußerst unglücklich" darüber, dass Goppel bis Mitte 2001 Schirmherr bei der "Epoche" war. Durch das Konkurrenzmagazin fiel das Spendenaufkommen für den "Bayernkurier" niedriger aus. Goppel ist seit seiner Berufung zum Generalsekretär der Partei Anfang 1999 für den "Bayernkurier" verantwortlich. Dass Goppel dennoch solange Schirmherr geblieben sei, habe ihn "erfreut" und "verwundert" zugleich, berichtet Bayer in der "SZ". "Ich kann nicht mit der einen Gesichtshälfte der 'Epoche' zulächeln, während ich die andere dem 'Bayernkurier' zugewandt habe", soll der CSU-Politiker gegenüber Bayer zum Schluss der Verbindung gesagt haben.
In den sechziger Jahren, als die NPD im Münchner Landtag vertreten war, fungierte Bayer als Pressesprecher der rechtsextremen Partei und war auch Redakteur mehrerer NPD-naher Zeitschriften. Wegen der schwarz-braunen Farbe des Magazins "Epoche" hat das Blatt in rechten Kreisen auch den Namen "Haselnuss-Postille". Goppel firmiert in der "Epoche" auch als Autor - und ist dort in Gesellschaft von Innenminister Günther Beckstein und Finanzminister Kurt Faltlhauser.
Goppel selbst verteidigt sich: Er habe 1996 die "allseits für unbedenklich gehaltene Schirmherrschaft für das Umweltforum der Zeitschrift Epoche übernommen", heißt es in einer Erklärung. Reden des Ministers und anderes seien dort "ohne weitere Rückfragen" veröffentlicht worden. Die "Epoche" habe die Schirmherrschaft Goppels "ohne Nachfrage" fortgesetzt, als dieser CSU-Generalsekretär wurde. "Zu dem Zeitpunkt, zu dem mir bekannt wurde (Juni 2001), dass die Epoche diese Schirmherrschaft nutzt, um damit Abonnenten zu werben, habe ich den Herausgeber der Epoche, Karl-Ludwig Bayer, schriftlich aufgefordert, mich nicht weiter als Schirmherr in Briefen, Formularen et cetera anzuführen", behauptet Goppel.
Der bayerische CSU-Landtagsfraktionschef Alois Glück nahm Goppel in Schutz. "Es gibt keinerlei Anhaltspunkte, Thomas Goppel eine inhaltliche Nähe zu Rechtsaußen zu unterstellen", sagte Glück der dpa. Der Generalsekretär genieße das volle Vertrauen und die volle Unterstützung sowohl der CSU-Landtagsfraktion wie auch seines oberbayerischen CSU-Bezirksverbands. Die Arbeit des umstrittenen Verbands liege außerdem "völlig innerhalb des demokratisch-konservativen Spektrums".