CSU-Machtkampf Seehofer legt in Umfrage zu - und teilt gegen Beckstein aus
Hamburg Seehofer verlangte im CSU-Machtkampf mehr Fairplay. "Ich bin immerhin stellvertretender Parteivorsitzender und musste trotzdem aus den Agenturen entnehmen, dass sich Günther Beckstein und Erwin Huber in Kreuth über das Erbe Edmund Stoibers verständigt haben. Wenn das so weiter geht, taucht schon die Frage auf, ob sich eine Partei das auf Dauer gefallen lassen sollte, sagte er dem SPIEGEL.
Bayerns Innenminister Beckstein hatte nach der Rückzugsankündigung von Ministerpräsident Edmund Stoiber seinen Anspruch auf das Amt des Regierungschefs im Freistaat angemeldet; Wirtschaftsminister Huber will CSU-Chef werden. Seehofer forderte die beiden auf, bei der Entscheidung über die künftige Führung der CSU Ränkespiele zu unterlassen und auf die Stimme der Parteibasis zu hören. Man kann solche Personalentscheidungen nicht im Hinterzimmer auskungeln.
Seehofer griff insbesondere Beckstein an, der ihn aufgefordert hatte, im Interesse der Partei auf seine Kandidatur für den CSU-Vorsitz zu verzichten. Es ist schon ein eigenartiger Vorgang, wenn Günther Beckstein mich dazu drängt, meine Kandidatur aufzugeben, ohne dass er zuvor mit mir gesprochen hat, sagte Seehofer. Das ist kein guter Stil.
Seehofer bekräftigte seine Absicht, auf dem nächsten CSU-Parteitag notfalls in einer Kampfkandidatur gegen Huber anzutreten. Ein fairer Streit ist ein Gewinn für eine Volkspartei und keine Belastung, sagte Seehofer. Er kündigte gleichzeitig an, dass er Stellung beziehen werde zu den Berichten über eine außereheliche Affäre mit einer Mitarbeiterin des Bundestages. Seine Wähler hätten ein Recht auf eine klare Aussage, sagte Seehofer: Aber man muss mir die Chance für die nötige Klärung zubilligen. Dafür braucht es Zeit, und die nehmen wir uns.
"Wer Stoiber-Fan ist, wählt Beckstein"
Der Noch-Ministerpräsident Stoiber wird indes Innenminister Günther Beckstein offiziell als Nachfolger für das Amt des Ministerpräsidenten vorschlagen. Das hat Stoiber nach SPIEGEL-Informationen Beckstein am Freitag in einem gemeinsamen Gespräch zugesagt. Gleichzeitig versprach er Beckstein, ihn voll zu unterstützen und bei möglicherweise enttäuschten Stoiber- Anhängern mit dem Satz zu werben: Wer Stoiber-Fan ist, wählt Beckstein.
Seehofer kann sich aber, ungeachtet der Berichte über sein Privatleben, steigender Beliebtheit erfreuen. Das ergab die Quartalsumfrage von TNS Forschung für den SPIEGEL. Er kommt jetzt auf 57 statt 53 Prozentpunkte.
Auch Angela Merkel legte zu: Inzwischen sprechen sich 71 Prozent der Deutschen dafür aus, dass Merkel künftig eine wichtige politische Rolle spielt. Damit kletterte der Popularitätswert der Regierungschefin im Vergleich zum vergangenen Oktober um 16 Prozentpunkte nach oben.
Insgesamt stellen die Deutschen, beflügelt von guten Wirtschaftsdaten, ihrer Bundesregierung ein besseres Zeugnis aus als im Oktober. 28 Prozent der Befragten sind derzeit mit der Arbeit der Großen Koalition zufrieden oder sehr zufrieden, beinahe doppelt so viele wie noch vor drei Monaten. Besonders bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit (plus 13 Prozentpunkte) und der Ankurbelung der Wirtschaft (plus 21 Prozentpunkte) leistet die Regierung nach Ansicht der Wähler jetzt deutlich bessere Arbeit.