CSU-Machtkampf: Seehofers Selbstinszenierung treibt CSU-Spitze zur Weißglut - DER SPIEGEL
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CSU-Machtkampf Seehofers Selbstinszenierung treibt CSU-Spitze zur Weißglut

Im Machtkampf um den CSU-Vorsitz schenken sich die Rivalen Seehofer und Huber nichts. Der eine geht in Interviews in die Offensive und inszeniert sich als politisches Opfer. Der andere sammelt Punkte in der Heimat. Die Parteispitze kocht, eine baldige Einigung ist nicht in Sicht.
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München - Auf den ersten Blick waren die Signale widersprüchlich, die Horst Seehofer an diesem Wochenende sendete. In der Talkshow "Beckmann", die bereits heute aufgezeichnet wurde, bekräftigte der Bundeslandwirtschaftsminister seinen Willen, gegen den bayerischen Wirtschaftsminister Erwin Huber um den CSU-Vorsitz zu kämpfen: "Wenn es die Chance gibt, noch in einem zumutbaren Alter - ich bin jetzt noch nicht 60 - diese Partei zu führen, ist das per se reizvoll", sagte Seehofer in der Sendung, die am Montag ausgestrahlt werden soll.

Er werde sich auch nicht durch die Veröffentlichungen über sein Privatleben vom Weg abbringen lassen, unterstrich Seehofer. Er wolle sich nicht beklagen. Aber es sei "natürlich schon die Absicht, mich mit solchen Dingen auch politisch zu beschädigen. Das ist eindeutig."

Gleichzeitig ließ Seehofer via "Bild am Sonntag" verbreiten, dass Edmund Stoiber weiter CSU-Chef bleiben solle. Das Blatt zitiert CSU-Insider mit dem Hinweis, dass Seehofer hinter den Kulissen Stoiber zu einer erneuten Kandidatur dränge. Er werde jederzeit für Stoiber zurückstehen, wenn das dem Parteiwohl diene, berichtet das Blatt.

Beide Botschaften gehören zu Seehofers Taktik im Kampf um die Macht. Auf der einen Seite teilt er knallhart aus und bezichtigt seine Gegner schmutziger Tricks - natürlich ohne sie beim Namen zu nennen. Auf der anderen Seite ist er bemüht, sich als loyaler Parteisoldat zu verkaufen. Weil er von seinen Rivalen in der CSU als egoistischer Machtmensch dargestellt wird, gebärdet Seehofer sich in den Parteigremien und der Öffentlichkeit seit Wochen als glühender Stoiberianer. Damit setzt er seinen Konkurrenten Huber unter Druck, der plötzlich selbst als eigennütziger Karrierist erscheint, weil er einem harmonischen "Weiter So" mit Stoiber an der Spitze im Wege steht. Dabei hat Stoiber selbst ein Weitermachen längst ausgeschlossen.

Seehofer und Huber wollen beide auf dem CSU-Parteitag im September für den CSU-Vorsitz kandidieren. Huber hat mehr Rückhalt in den Parteigremien und kann auf die Unterstützung Günther Becksteins zählen, der Stoiber als Ministerpräsident beerben will. Seehofer hingegen ist deutlich beliebter an der Parteibasis und bei den Wählern.

Unmut in der CSU-Spitze über Seehofer

Seehofers Selbstinszenierung als fairer, loyaler Politiker, der Opfer von Intrigen ist, treibt viele in der CSU-Spitze zur Weißglut. Insbesondere dessen wiederholte Aussage, man wolle ihn mit Indiskretionen über sein Privatleben beschädigen, sorgt für Unmut. Niemand in der CSU-Führung rede so oft über Seehofers Privatleben wie er selbst, zitiert die "Passauer Neue Presse" aus Parteikreisen. Damit erwecke Seehofer den Eindruck, seine Gegner betrieben einen unsauberen Wahlkampf.

Huber hingegen wurde von Parteifreunden als "Mann der Mitte" und "Macher mit Herz" dargestellt. Mit diesen Worten schlug der Vorstand des niederbayerischen CSU-Bezirksverbandes ihn gestern erwartungsgemäß einstimmig als neuen CSU-Vorsitzenden vor. Huber führt den Bezirksverband seit 14 Jahren. Mit Günther Beckstein als Kandidat für das Ministerpräsidentenamt könne Huber ein "Tandem" bilden, das der CSU die traditionelle Geschlossenheit bewahre, hieß es in dem Vorstandsbeschluss.

Während Seehofer Interviews gab, pflegte Huber in Nürnberg auf dem "Ball der Union" die Basis. "Das Tandem Beckstein/Huber hält zusammen, da passt kein Blatt zwischen uns", rief Huber und drückte Beckstein fest an sich.

Der oberfränkische Bezirksverband sprach vorerst noch keine Empfehlung für die Wahl des Parteivorsitzenden aus, favorisiert aber auch Huber. Für Seehofer habe es keine Wortmeldung während der Klausurtagung in Kloster Banz bei Bad Staffelstein gegeben, hieß es. Der oberfränkische CSU-Bezirksvorsitzende und bayerische Umweltminister Werner Schnappauf warnte, es dürfe kein halbes Jahr Dauerwahlkampf geben. Nach einer Einigung vor dem Parteitag Ende September sehe es aber nicht aus. "Wir richten uns auf eine Abstimmung ein", sagte Schnappauf.

Innenminister Beckstein hingegen äußerte die Hoffnung, dass die beiden Rivalen sich vor dem Parteitag im September einigen werden. "Je länger so eine Auseinandersetzung dauert, desto problematischer ist es", sagte er.

cvo/dpa/ap