CSU: Seehofers Feiertag - DER SPIEGEL
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CSU Seehofers Feiertag

Bei manchem Christsozialen gilt er als Querulant, heute hatte CSU-Vize Seehofer ein Heimspiel beim Parteivolk: Auf dem Dreikönigstreffen der CSU in München traf er auf ein begeistertes Publikum. Lob für CSU-Chef Stoiber fand hier nur einer: Seehofer.
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München - Weißbier und Weißwurst werden gerade herein getragen, der süße Senf und die Brez'n stehen schon auf dem Tisch. Jetzt fehlt nur noch der Seehofer Horst: "Des is a G'wicht" sagen sie anerkennend an den Tischen. Der Grüne Saal im Münchner Augustinerbräu ist brechend voll mit rund hundert erwartungsfrohen Gesichtern: "Hast Du ihn schon gesichtet?" fragt der eine den anderen.

Und dann endlich kommt Horst Seehofer, wie immer seit seiner Ernennung zum Bundesminister lächelnd und kraftstrotzend. Seht her, der Horst ist zurück, soll das heißen, der Horst ist nicht unterzukriegen, der macht immer weiter. Weil das heute eine Veranstaltung der Münchner CSU ist, reden die örtlichen Funktionäre ein bisschen über Stadtpolitik. Da wirkt der aufs Wort wartende Minister aus Berlin nur noch mächtiger.

Der Dreikönigstag ist politisch gesehen eine polemische Veranstaltung: FDP-Chef Guido Westerwelle drischt in Stuttgart auf die geplante Mehrwertsteuererhöhung ein, EU-Kommissar Günter Verheugen verspricht seiner SPD, dass in Europa nicht allein der Markt regiere. Bei der CSU aber markiert der 6. Januar in diesem Jahr eine Feierstunde. Das Parteivolk sendet Liebesbotschaften an Horst Seehofer.

Seehofer als "soziale Speerspitze der CSU"

Der Kreisvorsitzende Joachim Unterländer nennt Seehofer "die soziale Speerspitze der CSU". Auch wenn der es nun vor allem mit der Landwirtschaft zu tun habe, "wir brauchen Dich in den Bereichen Gesundheit und Soziales, lieber Horst". Da vernascht Seehofer noch schnell genüsslich eine Breze, bevor er ans Rednerpult darf. Eigentlich soll er jetzt die in Wildbad Kreuth beschlossene Parteilinie erläutern. Doch Seehofer wird erst einmal grundsätzlich: "Politik ist eine Dienstleistung für die Menschen, Politiker sollen sich nicht selbst feiern."

Der Spruch wirkt etwas deplatziert auf dem Münchner Seehofer-Fantreffen an diesem Dreikönigstag. Aber der Berliner Minister kommt schnell zur Sache - und damit zu sich. Ihm würden "ja die verschiedensten Etiketten" angeheftet: Der Kollege Westerwelle sehe das Sozialdemokratische in der Großen Koalition überrepräsentiert und spreche vom "9. SPD-Minister Seehofer". Und als wollte Seehofer den Vorwurf stützen, es ginge ihm mehr um Amt und Mandat als um die Sache, hält er dem Liberalen entgegen: "Lieber der 9. SPD-Minister im Bundeskabinett als der erste Mann in der Opposition."

Fortwährend lächelt Seehofer das Siegerlächeln. Seine Sätze beginnen meist mit dem gleichen Wörtchen: "Ich war oben, ich war unten, ich mach' mir da nichts vor." Nur eines sei wichtig: "Wenn man am Boden liegt, darf man nicht liegen bleiben." Bei der Basis kommt das nicht arrogant an, sondern überzeugend: "Der Horst ist geradlinig, der steht zu dem, was er sagt", heißt es an den Tischen. Stoiber hingegen, "na ja, so wie früher wird's nimmer", aber man könne mit dem Ministerpräsidenten "ja nicht immer hundertprozentig zufrieden" sein.

Stoiber? "Des passt scho'"

Während sie Seehofer als Überzeugungstäter feiern, fällt ihnen bei Stoiber nur der bayerische Kurzsatz "Des passt scho'" ein, was soviel heißt wie: Wir nehmen es hin, kein Problem. Seehofer ist der Liebling der CSU, die Leute wissen um seine Hochs und Tiefs, um seine schwere Krankheit vor zwei Jahren und seine Rückkehr in die Politik. Stoiber hingegen hatte immer nur Erfolg. Er ist der Streber der Partei. Dem einfachen Parteivolk ist er suspekt.

Seehofer stellt sein Lächeln heute in dem Moment ein, in dem er über Sachthemen spricht. Da wird er lauter, markiger, auch verbissener. Von einem "25-Milliarden-Investitionsprogramm der Bundesregierung" weiß er zu berichten, dass die wirtschaftliche Dynamik anheizen soll. Familien müssten jetzt gefördert, die Armen nicht vergessen werden. Horst, der Soziale: "Die Stärke eines Volkes bemisst sich am Umgang mit den Schwachen". Deshalb dürfe die CSU ihre christliche Soziallehre "nicht auf dem Altar der Globalisierung opfern". Bei solchen Sätzen brandet im Augustinerbräu riesiger Applaus auf.

"Leute, glaubt's mir, ich bin aus tiefster Überzeugung loyal"

Bleibt noch die Sache mit Stoiber. "Leute, glaubt's mir, ich bin aus tiefster Überzeugung loyal", ruft Seehofer in den Saal. Stoiber halte die CSU "in Schuss", ihm habe die Partei große Wahlerfolge zu verdanken. "Ich habe nicht dieses Schubladendenken", sagt Seehofer, "weil ich immer wieder mal mit Stoiber diskutiere, bin ich noch lange nicht sein Gegner." Seehofer schießt einen Stoiber-Treueschwur nach dem anderen aufs Parteivolk ab. Das ist wichtig, denn obwohl Stoiber nicht geliebt wird von der Basis, goutieren sie in Bayern doch keineswegs hinterrücks verübte Dolchstöße.

Es scheint klar, Seehofer wird nicht den Königsmörder geben. Aber genauso sicher ist: Wenn Stoiber fällt und die Partei ihren Liebling ruft, wird der nicht nein sagen. Ein glänzender Parteivorsitzender könnte er allemal sein, in Bayern ist er einer der beliebtesten Politiker. Nur Ministerpräsident, das wäre schwer, denn die Landtagsfraktion hat große Vorbehalte gegen den Mann des Volkes. "Im Landtag hassen sie mich", sagte Seehofer jüngst im kleinen Kreise. Überzeugen könnte die Münchner Abgeordneten wohl nur Seehofers Stärke an den Wahlurnen. Bei einem sozialdemokratischen CSU-Ministerpräsidenten Seehofer - wo bliebe da die bayerische SPD?