CSU: Stoiber will Berlin blamieren - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

CSU Stoiber will Berlin blamieren

Die Landtagswahl am kommenden Wochenende in Bayern soll für CSU-Chef Edmund Stoiber auch zum Votum gegen die rot-grüne Politik in Berlin werden. Die Chancen für ein grandioses Ergebnis sind gut.Doch geht auch die Sorge um, CSU-Wähler könnten angesichts des sicheren Sieges zuhause bleiben.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?



München - Von der Bayern-Wahl solle ein klares Signal ausgehen, Druck auf die Bundesregierung auszuüben: Rot-Grün müsse "endlich anpacken oder abtreten", so Edmund Stoiber am Samstagabend auf der zentralen CSU-Kundgebung in der München. Der Freistaat, so Stoiber in seiner Rede, liefere das Kontrastprogramm zur Berliner Showpolitik. Rund 5000 Besucher waren in die Olympiahalle geströmt, um dem bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chef zuzuhören - doch füllten die Anwesenden die Halle nur zu Zweidrittel.

Angesichts des praktisch garantierten hohen Wahlsiegs sorgte sich Stoiber um das Engagement der Parteibasis. "Und wenn Sie am 21. September ihre Großmutter oder ihre Eltern sehen, und die sagen, die CSU gewinnt doch sowieso, dann nehmen Sie sie mit zur Wahl", mahnte der Parteichef. Stoibers Sorge, CSU-Anhänger könnten angesichts eines sicheren Sieges womöglich bei der Wahl zuhause bleiben, ist nicht unbegründet. In den letzten Umfragewerten erhielt die CSU etwa 60 Prozent. Damit wäre sogar eine Zweidrittel-Mehrheit im Münchner Landtag möglich.

Als prominenten Gast hatte die CSU Österreichs Bundeskanzler Wolfgang Schüssel geladen, der bereitwillig die erwartete Schützenhilfe lieferte: "Für mich ist die CSU die modernste Volkspartei überhaupt." Keine andere Partei habe Tradition und High- Tech so gut unter einen Hut gebracht, so Schüssel.

Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) weilte am Wochenende in Bayern. Er ließ es sich bei einem privaten Termin im bayerischen Dillingen nicht nehmen, ebenfalls in den Wahlkampf einzugreifen. Er bescheinigte dem bayerischen SPD- Spitzenkandidaten Franz Maget bei einem Stadtfest vor 1500 Zuhörern einen "schweren Kampf". Aber wer nur auf die schwachen Umfragezahlen schaue, vergesse zu kämpfen. "Wir wollen mit dem Erreichbaren zufrieden sein", meinte Schröder.