Deutsche Soldatinnen: Stimulieren Frauen die Bundeswehr? - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Deutsche Soldatinnen Stimulieren Frauen die Bundeswehr?

Die neue Gleichberechtigung von Frauen und Männern beim Bund fordert ihr erstes Opfer - das Zwerchfell. Während FDP-Mann Rainer Brüderle "rosarote Panzer" fürchtet, hält der Generalinspekteur der Bundeswehr Soldatinnen für "stimulierend".
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Präsenz von Soldatinnen habe "sicher auch positiv stimulierende Wirkung" vermutet der Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat. Die Männer "werden sich sehr viel mehr Mühe geben", sagte Kujat im NDR. Er erwarte "keine größeren Probleme" durch den Einzug von Frauen in Kasernen und Panzer, sondern "die Schwierigkeiten, die es immer gibt, wenn man Neuland betritt". Denkbare sexuelle Belästigungen durch ihre männlichen Kameraden befürchtet Kujat weniger, denn er glaube, "dass es in der Bundeswehr nicht anders ist als in normalen Betrieben".

Einmarsch in die heile Männerwelt

Für den Umgang mit den neuen Soldatinnen habe das Zentrum für Innere Führung in Koblenz Offiziere eigens geschult, teilte der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehr-Verbandes, Bernhard Gertz, mit. Erfahrungen aus Polizei und Bundesgrenzschutz wären dafür ausgewertet worden. Gertz räumte ein, dass einige in der Bundeswehr verunsichert seien, "weil das bisher so eine schöne, heile Männerwelt gewesen ist".

Der stellvertretende FDP-Chef Rainer Brüderle bedauerte in Mainz, dass die Gleichstellung in der Bundeswehr erst vor dem Europäischen Gerichtshof erstritten werden musste. "Dieses Recht hätte man den Frauen auch freiwillig geben können." Er hoffe, dass Verteidigungsminister Rudolf Scharping "nicht auf die Idee kommt, Frauen in einen rosaroten Panzer zu stecken".

CDU lobt "guten Tag für die Frauen",
SPD fordert "klare Disziplinarstrafen"

Als "guten Tag für die Frauen" bezeichnete der CDU-Bundestagsabgeordnete Friedbert Pflüger das neue Frauen-Recht an der Waffe. Die Öffnung dieses freiwilligen Dienstes sei aber kein Argument für die Abschaffung der Wehrpflicht für Männer. Frauen seien in der Gesellschaft immer noch nicht vollends gleichgestellt. Daher könne man nicht von einer Benachteiligung der Männer sprechen.

Weibliche Dominanz sei auch langfristig nicht zu erwarten, teilte der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestags, Wilfried Penner (SPD) mit. Ein Frauenanteil von sieben bis 10 Prozent "wäre schon hoch gegriffen" und darauf wäre die Bundeswehr gut eingestellt. Sollte es dennoch zu Übergriffen von Soldaten auf sie kommen, müsse es "klare Disziplinarstrafen" geben sagte Penner der in Oldenburg erscheinenden "Nordwest-Zeitung".

PDS: Soldatenmütter statt Panzerschützinnen

Die PDS-Vorsitzende Gabi Zimmer lobte zwar den Fortschritt bei der Gleichstellung der Geschlechter, riet Frauen aber prinzipiell, sich eher im Pazifismus zu engagieren, denn dieses Stück Gleichberechtigung sei "keines, über das Freude aufkommen kann".

Frauen sollten ihre "Kraft und Beharrlichkeit, ihren Mut und ihre Ideen für die Erhaltung des Friedens mit vorwiegend nichtmilitärischen Mitteln einsetzen. Nicht der amtierenden US-Außenministerin Madeleine Albright sollten sie nacheifern, "die die Nato in die Aggression gegen Jugoslawien trieb", sondern "den russischen Soldatenmüttern, die ihre Söhne unter Kugelhagel aus dem Tschetschenienkrieg holten ... oder den Frauen in Schwarz, die sich den Bruderkriegen auf dem Balkan widersetzten".