Dokumentation Der Aufruf gegen Flick
"Das Bemühen um eine Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter ist eine moralische Verpflichtung - als Geste der Versöhnung wesentlich für eine dauerhafte Verständigung der Völker untereinander, als Zeichen der Übernahme von Verantwortung wichtig für die kulturelle und gesellschaftliche Identität unserer Nation.
Angesichts dessen erscheint es in hohem Maße bedenklich, wenn die Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft "Erinnern, Verantwortung und Zukunft" ihr Ziel, die Hälfte der für eine Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter vorgesehenen Gesamtsumme zur Verfügung zu stellen, nur erreichen konnte durch die Bereitschaft einiger Unternehmen, ihren bereits geleisteten Beitrag aufzustocken oder sich an einer Ausfallbürgschaft zu beteiligen, während sich zahlreiche andere Unternehmen weiterhin hartnäckig weigern, dem Fonds beizutreten.
Ungehört scheint auch der Appell verhallt zu sein, den der Stiftungsvorstand jüngst an Erben jener Vermögen gerichtet hat, die zu einem relevanten Anteil auf Firmen zurückzuführen sind, welche eingebunden waren in die völkerrechtswidrige Verschleppung und den menschenverachtenden Einsatz Hunderttausender Frauen, Männer und Kinder als Zwangsarbeiter unter dem nationalsozialistischen Regime.
Nicht tolerierbar erscheint es uns, wenn etwa ein namhafter Erbe wie Herr Friedrich Christian Flick den Eindruck erweckt, dass er sich unter anderem durch Berufung auf seine private Kunstsammlung und den Bau eines Ausstellungsgebäudes für diese Kunstsammlung einer Unterstützung der Initiative und ihres Fonds entziehen will.
Indem die Kunst und ihre Urheber, ohne sich dagegen zur Wehr setzen zu können, auf solche Weise instrumentalisiert werden, wird der gesamte Prozess freien künstlerischen Schaffens für eine private Verweigerungshaltung missbraucht.
Mit aller Entschlossenheit unterstützen die Unterzeichnenden die Ziele der Stiftungsinitiative.
Mit aller Entschiedenheit verwahren wir uns gegen jede Form von Kompensationsgeschäften im Zusammenhang mit dem Bemühen um eine Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter. Insbesondere der Einsatz von künstlerischen Werken oder allgemein kulturellem Schaffen als private Ablasswährung' erscheint uns - vollends in Anbetracht der persönlichen Situation der Opfer - als zynisch und in hohem Maße schädlich für das Ansehen der deutschen Kunst und Kultur."