Ehrung für US-Präsidenten Bund und Land streiten über Reagan-Platz in Berlin
Ronald Reagan 1987 vor dem Brandenburger Tor: "Mr. Gorbatschow, tear down this wall!" (Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer ein)
Foto: Dieter Klar/ picture-alliance / dpa/dpawebBerlin - Wie sieht eine angemessene Ehrung für den ehemaligen US-Präsidenten und Berliner aus? Wenige Wochen vor dem 100. Geburtstag des Amerikaners sind der Bund und das Land Berlin darüber in Streit geraten. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist mit dem Vorschlag vorgeprescht, eine Straße oder einen Platz in Berlin nach Reagan zu benennen. Andere Politiker schlossen sich mit ihren Wünschen an und forderten den rot-roten Senat auf, eine Gedenkfeier aus Anlass des 100. Geburtstags des 2004 verstorbenen Präsidenten zu veranstalten.
"Eine Straßenbenennung nach diesem großen Ehrenbürger wäre sehr zu begrüßen und der angetretene Beweis dafür, dass rot-rote Dankbarkeit nicht bei Rudi Dutschke enden muss", sagte Guttenberg am Mittwoch.
Polenz erinnert an historische Rede
Der Vorsitzende des Auswärtigen Bundestags-Ausschusses, Ruprecht Polenz (CDU), erinnerte an Reagans historische Rede 1987 vor dem Brandenburger Tor. "Ronald Reagan hat mit seiner Festigkeit in der Sache und Klarheit in der Sprache den Eisernen Vorhang in Europa zu Fall gebracht", sagte er. Er persönlich glaube nicht, dass es ohne ihn überhaupt zur Wiedervereinigung gekommen wäre.
Für die Haltung des Berliner Senats habe er nicht das geringste Verständnis, sagte Polenz. Man sollte an diesen "großen Freund Deutschlands an sichtbarer Stelle dauerhaft erinnern".
Der Berliner FDP-Abgeordnete Martin Lindner sagte: "Deutschland und speziell Berlin haben Ronald Reagan sehr viel zu verdanken." Es wäre "geschichtsblind und anmaßend, diesen großen und verlässlichen Freund Deutschlands nicht angemessen zu würdigen". Das Mindeste wäre, ihm eine Straße oder einen Platz zu widmen. Bereits 2004 hatte Lindner vorgeschlagen, den Washington-Platz vor dem Hauptbahnhof nach Reagan zu benennen.
Der Bundesvorsitzende der Jungen Union, Philipp Mißfelder (CDU), nannte den Verzicht auf eine Gedenkfeier "beschämend" und forderte ebenfalls, eine Straße oder einen Platz in der Hauptstadt zu Ehren des früheren US-Präsidenten zu benennen.
Vorschläge für Gedenken der Bundesregierung gefordert
habe Reagan mit der Ehrenbürgerschaft die höchste Auszeichnung verliehen, die es zu vergeben habe, sagte der amtierende Senatssprecher Günter Kolodziej. Natürlich gebe es auch Verfahren, wie das Gedenken nach dem Ableben des Ehrenbürgers aufrechterhalten werde. So würden anlässlich des 100. Geburtstags von Reagan im Namen des Regierenden Bürgermeisters und des Parlamentspräsidenten ein Blumengebinde an der Ehrenbürgergalerie im Abgeordnetenhaus sowie ein Kranz am Mausoleum im Garten der Ronald-Reagan-Presidential-Library in Simi Valley in Kalifornien niedergelegt.
Die Benennung von Straßen und Plätzen sei dagegen Sache der Bezirke. "Wir werden die Anregung aber gern an die Bezirke zur Prüfung weitergeben", sagte der Sprecher. Zudem würde er sich freuen, "wenn Herr zu Guttenberg die öffentliche Diskussion auch um solche Vorschläge bereichern würde, wie die Bundesregierung die ehrende Erinnerung an Herrn Reagan aufrechtzuerhalten gedenkt".
Reagan wäre am 6. Februar 2011 hundert geworden. Er war von 1981 bis 1989 Präsident der USA. 1992 wurde der Republikaner für seinen Einsatz bei der Deutschen Wiedervereinigung mit der Ehrenbürgerwürde der Stadt Berlin ausgezeichnet.