Einheitsfeiern Rau dankt Amerika
Berlin - Rau nutzte den Feiertag zu einem Signal an die USA, die Verstimmung im deutsch-amerikanischen Verhältnis zu bereinigen. Auch US-Präsident George W. Bush ging nach den Verstimmungen über die deutsche Kritik an der Irak-Politik der USA auf Versöhnungskurs. Er übermittelte in einem Schreiben an Rau herzliche Grüße zum Tag der Einheit.
In seiner Ansprache beim Festakt im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt würdigte Rau dankbar die Unterstützung der USA bei der Überwindung der Teilung und versicherte, Deutschland stehe zu seiner Verantwortung. Dass die Ideale von Demokratie und Freiheit sich durchgesetzt hätten, sei "wahrlich auch unseren Freunden und Verbündeten" zu verdanken, sagte Rau. "Das werden wir ihnen nicht vergessen", versicherte er unter dem Beifall der Zuhörer.
Rau erinnerte an die Hilfe in den Jahren der Teilung, an Versorgung, Schutz und praktische Erleichterungen. Er verwies auf die großen Auftritte John F. Kennedys in Berlin und dessen Versprechen, die Ideale von Wahrheit, Gerechtigkeit und Freiheit zu verteidigen. "Für diese Ideale wollen wir auch in Zukunft gemeinsam eintreten", versicherte das Staatsoberhaupt. George Bush, der Vater des heutigen US-Präsidenten, habe den Weg der Deutschen zur Einheit aus ganzem Herzen gewollt und mit Erfolg unterstützt.
"Wir bleiben unseren Freunden in der Welt für ihre Hilfe und Unterstützung dankbar", versicherte Rau. Er sei sicher, dass der ehemalige Präsident Bill Clinton, der zu den Feiern am Abend am Brandenburger Tor erwartet wurde, dies den Menschen in seinem Land sagen werde. "Wir Deutschen sind uns nicht selbst genug, wir bringen unseren Standpunkt ein, wir leisten unseren Beitrag. Wir stehen zu unserer Verantwortung und zu unseren Verpflichtungen", betonte er wieder unter Applaus. Auch mit dem Namen Michail Gorbatschow bleibe der Umbruch des Jahres 1989 für immer verbunden, sagte Rau. Er erinnerte daran, dass es 1989 und 1990 "zuerst und zuletzt um die Freiheit für alle Deutschen" gegangen sei und die Ursache der Teilung darin bestanden habe, dass Deutschland selbst zuvor in Krieg und Teilung diese Freiheit verspielt habe. Der Bundespräsident warnte vor schädlicher "Geschichtsvergessenheit" und mahnte, zwischen Nationalismus und Patriotismus zu unterscheiden.
Rau lobt "beispiellose Solidarität"
Nun, zwölf Jahre nach der Wiedervereinigung, werde die Geschichte der Ost- und Westdeutschen immer mehr zur gemeinsamen Geschichte. Die heute 18-Jährigen hätten ihr ganzes politisches bewusstes Leben gar nichts anderes erlebt als das vereinte Deutschland. Rau würdigte die "beispiellose Solidarität" angesichts des Hochwassers im Sommer. Manche in West und Ost hätten erst angesichts dieser Zerstörung wirklich gesehen, wie viel in den vergangenen zwölf Jahren entstanden und geschafft worden sei. Die Flutkatastrophe sei als nationale Herausforderung verstanden worden. "Spätestens in diesen schlimmen Tagen hat sich gezeigt: Wir sind ein Volk, wir können uns aufeinander verlassen."
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Der Weg vom geteilten Land bis zur Einheit der Deutschen "ist eine Langstrecke", sagte Rau. "Eines Tages, vielleicht in Jahren, vielleicht erst in Jahrzehnten, wird uns hoffentlich die deutsche Einheit so selbstverständlich sein, das es uns merkwürdig vorkommen mag, sie eigens zu feiern."
Kohl: Einheit noch nicht vollendet
Helmut Kohl sprach bei einer Feierstunde im sächsischen Landtag in Dresden. Die innere Einheit Deutschlands sei noch nicht vollendet, sagte der Altkanzler. 40 Jahre Trennung habe tiefere Spuren hinterlassen hat, als man es vorher wusste. Der Auftritt von Kohl war von der Opposition wegen dessen angeblichen Vergleichs von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) mit dem Nazi-Politiker Hermann Göring kritisiert worden.
Die Feierlichkeiten in Berlin hatten am Vormittag mit einem ökumenischen Gottesdienst im Dom begonnen. Neben Rau nahmen auch Bundeskanzler Gerhard Schröder, die Ministerpräsidenten der Länder und Vertreter des Diplomatischen Corps teil. Danach stand im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt der offizielle Festakt mit Rau auf dem Programm.
Am Abend folgt in Berlin die Enthüllung des Brandenburger Tores. Von einem Heißluftballon aus wollte der Modemacher Willy Bogner die Schutzplanen um das Wahrzeichen Berlins fallen lassen. Zu der Party vor dem berühmten Bauwerk wurde unter anderem der ehemalige amerikanische Präsident Bill Clinton erwartet.
Die zentrale Feier zum Einheitstag findet zum ersten Mal seit 1990 in Berlin statt. Die Ausrichtung wechselt zwischen den Bundesländern. Umrahmt wird das offizielle Fest von zahlreichen Veranstaltungen rund um das Brandenburger Tor. Auch die Bundesregierung lädt dort in einem Zelt zu Musik und Diskussionen ein. Mit dabei sein werden unter anderem Verbraucherschutzministerin Renate Künast und der scheidende Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin.