Späte Rache SPD-Altlinker Eppler rechnet mit Helmut Schmidt ab
Ex-Minister Eppler (2009): Kritik an Helmut Schmidt
Foto: Z1008 Ralf Hirschberger/ dpaAltkanzler Helmut Schmidt und SPD-Vordenker Erhard Eppler werden in diesem Leben keine Freunde mehr. Schon zu seiner aktiven Zeit hielt Schmidt den langjährigen Entwicklungshilfeminister für einen "Spinner", der ihm beibringen wolle, wie man Wahlen gewinne, obwohl er selbst "nie sonderlich erfolgreich" gewesen sei. Eppler wiederum warf Schmidt vor, mit dem Nato-Doppelbeschluss die Kriegsgefahr in Europa zu schüren. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Die neue Ausgabe finden Sie hier.)
Eppler zählte bald selbst zu den Führungsfiguren der Friedensbewegung. Persönlich wurde der Schwabe allerdings nie, was er nun in seinen Erinnerungen "Links leben" nachholt. Darin mokiert er sich nach SPIEGEL-Informationen über Schmidts "Macher-Pathos", das "albern", abstoßend und "ziemlich naiv" gewesen sei. Als Kanzler habe der Hamburger "vor allem Schulden" hinterlassen und das Thema Umwelt verschlafen. Laut Eppler bezeichnete Schmidt ihm gegenüber Ökologie als "Marotte gelangweilter Mittelstandsdamen".
Eppler hatte Schmidts Kabinett 1974 im Streit verlassen. Der stille Held seines Buchs ist Willy Brandt, der auf "dezente, demokratische Weise" geführt habe und viel disziplinierter als Nachfolger Schmidt gewesen sei.
Von Brandt habe man fast nie ein kritisches Wort über Schmidt vernommen, während der "ausgiebig" über seinen Vorgänger hergezogen sei, etwa auf einem Flug mit Eppler. Vom "Start bis zur Landung" habe er sich die Suada anhören müssen, schreibt Eppler, der währenddessen ängstlich zu den Umsitzenden geschielt habe: "Ein Bericht im SPIEGEL über diesen Erguss hätte die Regierung in Gefahr gebracht."