EU-Kommission: Intrige gegen Prodi? - DER SPIEGEL
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EU-Kommission Intrige gegen Prodi?

"Sind sie verrückt?" Das war die knappe Antwort des EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi auf die Frage, ob er demnächst abgelöst wird. Auch die Behörde reagierte mit ungewohnter Schärfe auf einen Bericht, wonach gegen Prodi ein "Königsmord" geplant sei.
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Brüssel - Als ohne jede Grundlage und einer seriösen Zeitung nicht würdig hat die EU-Kommission einen Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) zurückgewiesen, wonach Kommissionspräsident Romano Prodi wegen angeblicher Führungsschwäche unter Druck geraten sei. Auch der SPIEGEL hatte berichtet, Prodi habe inzwischen bei den Staats- und Regierungschefs der EU sein Renommee verspielt.

Der Chefsprecher der Kommission, Jonathan Faull, sagte, der Bericht sei eine "reine Erfindung" und entbehre jeder Grundlage. Eine Aufgabe seines Amtes, das der 60-Jährige seit gut einem halben Jahr führt, stehe nicht zur Debatte. Prodi selbst, der in Kairo am EU-Afrika-Gipfel teilnimmt, antwortete auf die Frage nach seiner Ablösung: "Sind Sie verrückt?" Das Blatt hatte unter Berufung auf Kommissionskreise berichtet, den britischen Kommissaren Chris Patten und Neil Kinnock würden Ambitionen auf Prodis Amt nachgesagt.

Insgesamt drohe der EU-Kommission ein Machtkampf. Anstelle der Kommission übernähmen immer deutlicher das Europäische Parlament und die im Ministerrat vertretenen Regierungen die Initiative, so die FAZ. Der Machtkampf in der Kommission könnte auf einen "Königsmord" an Prodi hinauslaufen.

Das Auswärtige Amt erklärte, es gebe keinen Anlass Prodis Position in Frage zu stellen. "Aus dem Brüsseler Biotop wachsen die abenteuerlichsten Gerüchte", so Sprecher Andreas Michaelis.

Faull sagte weiter, er sei "überrascht und enttäuscht", dass ein Blatt wie die "FAZ" eine solche "Sammlung von Missverständnissen" drucke. Er habe nicht die leiseste Ahnung, wer oder was die Quelle für die "absurde Geschichte" der "FAZ" gewesen sein könnte. Patten und Kinnock hätten die Angaben der "FAZ" zudem entschieden zurückgewiesen, sagte der Sprecher. Prodi selbst wollte sich in Kairo nicht weiter zu dem Bericht äußern.

Auch in Kommissionskreisen wurde der Bericht als absurd bezeichnet. "Wir sind keine Bananenrepublik, in der ein paar Kommissare einfach einen Staatsstreich planen können", hieß es.