Europaweite Proteste "Vergessen Sie das Auto"
Hamburg - In Belgien haben Lastwagenfahrer auf dem Innenstadtring der Hauptstadt Brüssel mehrere strategische Punkte versperrt. "Wenn Sie sich in Brüssel bewegen wollen, vergessen Sie das Auto", warnte der Rundfunk. Das Parlamentsviertel wurde von der Gendarmerie freigehalten. Die Straße vor dem Amtssitz der Transportministerin Isabelle Durant war allerdings blockiert.
Im Laufe des Tages soll es neue Verhandlungen zwischen Durant und den Fuhrunternehmern geben. Die Ministerin erwartet eine Abmachung bis zum Ende der Woche. Die Regierung wolle sich aber nicht erpressen lassen, sagte sie. Eine erste Verhandlungsrunde war am Montag in Brüssel Ergebnis los beendet worden.
Der belgische Premierminister Guy Verhofstadt (Liberale) schaltete sich von New York aus in den Konflikt ein. Der Ministerrat der Zentralregierung wolle am Freitag umfassend über das Thema beraten. Dabei solle es auch um Heizölhilfen für Haushalte mit Niedrigeinkommen gehen. Eine Steuerverminderung für Kraftstoff sei keine gute Lösung, sagte Verhofstadt.
In Frankreich griff der Protest auf breite Bevölkerungsschichten über. Weniger als 24 Stunden nach dem Ende tagelanger Blockaden der wichtigsten Benzindepots in Frankreich durch Spediteure waren es diesmal Bauern, Handwerker und Marktkaufleute, Hoteliers, Lieferwagenfahrer und Fahrschullehrer, die eine Preissenkung forderten.
Vor allem die französischen Handwerker verlangten von der Pariser Regierung zusätzliche Steuererleichterungen bei den Spritpreisen. In der Loire-Stadt Roanne dauerten die Protestaktionen bis in die Nacht an. Dort hatten sich spontan einige Lastwagenfahrer mit ihren Fahrzeugen den Aktionen der Handwerker angeschlossen, weil sie mit dem ausgehandelten Kompromiss unzufrieden sind.
Auch in den Niederlanden regte sich Protest. Mehrere Lkw-Fahrer blockierten am Montag an drei Stellen im Land Autobahnen.
Bauern und Fuhrunternehmer aus Spanien und Irland forderten von ihren Regierungen ebenfalls steuerliche Entlastungen.