Experte Auch Schafe müssen getestet werden!
Hamburg - Das Robert-Koch-Institut hat BSE-Tests auch für alle geschlachteten Schafe gefordert. "Es besteht überhaupt kein Grund anzunehmen, dass Schafe gegen diese Erkrankung gefeit sein können", sagte der Direktor des Berliner Bundesinstituts, Reinhard Kurth, der "Welt am Sonntag". Rinder und Schafe haben nach seinen Angaben im Großen und Ganzen das gleiche Tiermehl bekommen. Es gebe durch die Erkrankung von Schafen auch Hinweise, dass Weiden verseucht sein könnten.
"Ich fordere jetzt eine Testung aller geschlachteten Schafe", betonte Kurth. Das werde zwar das Lamm- und Hammelfleisch verteuern, doch dieses Problem müsse in Kauf genommen werden. In Deutschland werden 2,9 Millionen Schafe und 15 Millionen Rinder gehalten. Dem Institutsdirektor zufolge ist in Deutschland seit 1963 nur bei neun Schafen die meldepflichtige BSE-ähnliche Erkrankung Scrapie dokumentiert worden.
Doch die Dunkelziffer sei "mit Sicherheit sehr, sehr hoch". Es sei davon auszugehen, dass diese Krankheit nicht groß gemeldet werde. "Das bedeutet, dass die Überwachung miserabel schlecht ist", sagte Kurth. Er rief die Landesbehörden auf, die Überwachung dringend zu intensivieren. Das Robert-Koch-Institut selbst werde sich jetzt verstärkt auf die Entwicklung eines frühes BSE-Testsystems konzentrieren, das sowohl für Rinder als auch für Schafe anwendbar sein solle.
Gefahr bei Blutspenden
Mit Sorge blickt der Virologe auf das Blutspendewesen in Deutschland. Es sei nicht mit allerletzter Konsequenz auszuschließen, dass der BSE-Erreger auch hier eindringe. "Aids war bisher die größte Katastrophe in der Medizin. Anfang der achtziger Jahre mussten wir feststellen, dass der Erreger durch Blutspenden übertragen wurde. Eine einzige Katastrophe solcher Art sollte reichen", betonte Kurth.
Beunruhigend sei in diesem Zusammenhang, dass der Erreger der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit beispielsweise in den Mandeln und in der Milz gefunden werde und damit in einem Organ, das heftig durchblutet werde. "Wir haben die Pflicht, das Blutspendewesen so zu gestalten, dass eine solche Übertragung nach menschlichem Ermessen nicht möglich ist", sagte Kurth.