Experten Gorleben weiter erkunden
Berlin - Für die von Bundesumweltminister Jürgen Trittin angekündigte Unterbrechung gebe es nach derzeitigem Kenntnisstand keinen Grund, erklärte die Expertengruppe am Donnerstag in Berlin. Auch seien bisher keine Anhaltspunkte für die grundsätzlichen Zweifel der Regierung am Standort Gorleben erkennbar. Das Gremium hat seine Arbeit allerdings noch nicht abgeschlossen.
Die Energieversorger hatten die sechs internationalen Wissenschaftler im Dezember beauftragt, die bisherigen Erkundungsarbeiten am Salzstock Gorleben zu beurteilen. Das erklärte Ziel: der Nachweis, dass sich solche Salzstöcke für die Lagerung von radioaktiven Abfällen eigenen und dass deshalb eine weitere Erkundung an dem niedersächsischen Standort sinnvoll ist. In einem ersten Zwischenergebnis kommt das Gremium zu dem Schluss, dass die bisherige Forschung sehr ausführlich und sehr gründlich gewesen sei. Gorleben sei weltweit unter vergleichbaren Standorten mit am weitesten untersucht, sagte der Sprecher der Gruppe, Charles McCombie.
Nach bisheriger Durchsicht der Ergebnisse habe die Gruppe "keinen Grund für irgendwelche Zweifel" an Gorleben. Allerdings sei die Überprüfung noch nicht abgeschlossen. McCombie forderte das Umweltministerium auf, seine Zweifel an Gorleben näher zu begründen, damit diese in die Untersuchung einfließen könnten. Zudem fehlten noch wichtige Erkundungsarbeiten unter Tage, betonte McCombie.
Das 1977 im damaligen Zonenrandgebiet ausgewiesene mögliche Endlager ist seit 1986 mit einem Aufwand von bisher rund 2,4 Milliarden Mark erkundet worden. Den Großteil des Geldes hat nach eigenen Angaben die Industrie beigesteuert, etwa 300 bis 400 Millionen Mark Forschungsgelder kamen aus der Staatskasse. Nach einem Zeitplan der alten Regierung sollte bis 2003 weiter geforscht und bis 2005 ein wissenschaftliches Resümee gezogen werden. Falls der Salzstock als geeignet angesehen würde, sollte bis 2012 das Endlager in Betrieb genommen werden.
Die rot-grüne Bundesregierung hatte schon in ihrer Koalitionsvereinbarung grundsätzliche Zweifel an Gorleben geäußert. Umweltminister Trittin hatte bereits im Frühjahr 1999 eine Unterbrechung der Erkundungsarbeiten und die Suche nach Alternativen angekündigt. Dazu ist es bisher wegen der Atomkonsensgespräche nicht gekommen. Zuletzt äußerte auch der Umweltrat Zweifel an der Sicherheit von Salzstöcken als Lager für Atomabfälle, die über Zehntausende von Jahren radioaktiv bleiben.