Farce: Der Union laufen die Kanzlerkandidaten davon - DER SPIEGEL
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Farce Der Union laufen die Kanzlerkandidaten davon

"Wer wird Kanzlerkandidat?" heißt derzeit eine höchstbeliebte Rätselshow auf dem Politkanal CDU/CSU. Neuerdings nimmt sie jedoch eine bizarre Wendung. Längst vergessene Bewerber schießen sich selbst aus dem Rennen. Jüngstes "Opfer": Roland Koch.
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Berlin - Fast schon fühlt man sich an den Traum des nordrhein-westfälischen FDP-Chefs erinnert. Jürgen "Dubya" Möllemann wär' auch so gern Kanzlerkandidat. Und sei es auch nur für seine eigene Partei, die sowieso keine Chance hat, den Regierungschef zu stellen. Bei der CDU dagegen hat man sich fest vorgenommen, die Amtszeit Gerhard Schröders als Bundeskanzler 2002 zu beenden. Dass als Herausforderer derzeit nur CDU-Chefin Angela Merkel oder ihr Kollege von der Schwesterpartei CSU, Edmund Stoiber, in Frage kommen, hat sich in den beiden Parteien mittlerweile auch herumgesprochen.

Jedoch offenbar nicht bei allen. Gerade erst hat der völlig chancenlose Unionsfraktionschef Friedrich Merz verkündet, er wolle nicht kandidieren, und damit diese Möglichkeit überhaupt erst ernsthaft ins Spiel gebracht. Jetzt tut es ihm sein hessischer Parteifreund Roland Koch gleich. Er stehe als Kandidaten-Kandidat nicht zu Verfügung, teilte der hessische Ministerpräsident an Pfingsten mit. "Ich gehöre mit Sicherheit einer Mannschaft nicht an, die den Anspruch erhebt, die Regierung in Berlin 2002 zu stellen", sagte Koch der "Welt am Sonntag".

Gleichzeitig wies der Politiker - angesprochen auf die Wahlniederlage des früheren CSU-Chefs Franz Josef Strauß - darauf hin, dass er für "denkbar" halte, dass der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber 2002 genug Stimmen bekommen könnte, um Kanzler zu werden. Koch warnte davor, mit "Geschwätz" die Aussichten der Union zu schmälern. CDU und CSU müssten die gegenseitige Aufgeschlossenheit haben, denjenigen zu nominieren, der die größte Siegchance habe, sagte er.

CDU-Chefin Angela Merkel und andere führende Politiker aus CDU und CSU bekräftigten über Pfingsten, es solle erst Anfang 2002 über den Kanzlerkandidaten entschieden werden. Anderer Meinung ist der Pfälzer CDU-Bundestagsabgeordnete Norbert Schindler. Auch er hat offenbar keine Ambitionen auf das Kanzleramt, wenn er dies auch nicht direkt aussprach. Der Parlamentarier forderte jedoch Merkel in der "Rheinpfalz" auf, noch vor der Sommerpause zu erklären, ob sie 2002 gegen Kanzler Gerhard Schröder antreten wolle. Falls sie verzichte, müsse sie Stoiber die Kandidatur antragen. Wenn Merkel sich nicht bald entscheide, werde die anhaltende Debatte "das Sommerloch füllen", mahnte er.

Mitglieder dürfen den Kandidaten nicht bestimmen

Pläne, den Unionskanzlerkandidaten über eine Mitgliederbefragung zu ermitteln, gibt es in der CDU jedoch offenbar nicht. Ein Parteisprecher wies einen entsprechende Bericht der "Leipziger Volkszeitung" als falsch zurück. Die Zeitung hatte gemeldet, ein Beschlusspapier der CDU-Reformkommission unter Vorsitz von Generalsekretär Laurenz Meyer sehe eine solche Mitgliederbefragung auch für das Kanzlerkandidaten-Amt vor, sofern es dafür mehr als einen Bewerber gebe. Zuvor hatten führende Unionspolitiker die Absicht bekräftigt, den Kanzlerkandidaten von CDU und CSU für die Bundestagswahl 2002 erst Anfang nächsten Jahres zu benennen.

In dem Bericht der CDU-Präsidiumskommission ist nach Angaben des Parteisprechers im Gegensatz zur Darstellung der Zeitung vorgesehen, dass die bereits bestehende Möglichkeit einer Mitgliederbefragung bei der CDU in Spitzen-Personalfragen auf sachpolitische Fragen ausgeweitet werde. Die Funktion des Kanzlerkandidaten sei jedoch kein CDU-Parteiamt, sondern liege in der gemeinsamen Entscheidung von CDU und CSU. Im Übrigen werde das Papier der Meyer-Kommission in der Partei noch diskutiert.