FDP Auf der Suche nach einem Profil
Hamburg - Nach der internen Kritik an seinem Führungsstil erfährt Guido Westerwelle von verschiedener Seite Unterstützung. FDP-Vize Rainer Brüderle hält es für unfair, Westerwelle "alle möglichen Fehler anzulasten". "Wir müssen uns alle fragen, was wir tun müssen, um gemeinsam erfolgreich zu sein", sagte Brüderle in Mainz. Westerwelle war vorgeworfen worden, er habe der FDP vor allem in jüngster Zeit zu wenig Profil gegeben.
Auch aus dem Landesverband Nordrhein-Westfalen kommt Unterstützung für Westerwelle. Die dortigen Landespolitiker der Liberalen wollen an diesem Montag eine neue parteiinterne "liberale Bewegung" vorstellen. Diese Initiative suche "den Schulterschluss mit Westerwelle", sagte Andreas Reichel, FDP-Bezirkschef Ruhr, gegenüber dem "Focus". "Wir präsentieren das Gegenmodell zu einer reinen Klientelpartei und wollen mit einer liberalen Volkspartei alle Themen und alle Bürger vertreten."
Die Fraktionschefs aus Hamburg, Schleswig-Holstein, Hessen und Rheinland-Pfalz wollen nach Informationen des Münchner Magazins jedoch das Image der Bundespartei mit einem eigenen "Kompetenzteam" verbessern. "Um wieder wahrgenommen zu werden, müssen unsere Themen mit frischen Köpfen aus den Ländern besetzt werden", sagte dazu der Vorsitzende der FDP-Landtagsfraktion in Schleswig-Holstein, Wolfgang Kubicki. Er soll dem Team angehören. In der "Leipziger Volkszeitung" kritisierte Kubicki "die einseitige Positionierung" seiner Partei an der Seite der Union.
Ins gleiche Horn stießen die Jungen Liberalen (Julis) auf dem Bundeskongress der Organisation in Hürth bei Köln. Juli-Chef Daniel Bahr forderte mehr politische Eigenständigkeit der FDP. "Unsere Partei wird als kleiner Bruder der Union keinen Erfolg haben", sagte Bahr. Die FDP müsse wieder verstärkt neue Themen erarbeiten und nicht nur auf Vorschläge anderer Parteien reagieren. "Wir dürfen uns nicht immer nur an alten Programmen orientieren."
Bahr forderte die Parteispitze auf, nicht nur auf Steuer- und Wirtschaftspolitik zu setzen, sondern auch Themen wie Familie und Globalisierung zu akzentuieren. Daneben müsse die FDP wieder Mut zu unkonventionellen Aktionen haben. "Der letzte Parteitag war stinklangweilig", kritisierte der Juli-Bundesvorsitzende. Nach seiner Auffassung soll die FDP in ihrer Außendarstellung wieder verstärkt auf "Lebensgefühl" setzen.