FDP-Krisensitzung: Friede, Freude, Möllemann - DER SPIEGEL
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FDP-Krisensitzung Friede, Freude, Möllemann

Was sich die Führungsriege der FDP gewünscht hat, geht in Erfüllung. Ihr Vize Jürgen Möllemann will sich nicht mehr zum Streit mit Michel Friedman und den Altliberalen äußern. Stattdessen wird er auf einer Großveranstaltung mit Parteichef Guido Westerwelle eine ganz neue Harmonie zelebrieren.
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Berlin - War es das nun? Das soll es wohl gewesen sein. "Wir wollen einen Schlussstrich ziehen", sagt Guido Westerwelle am Montagnachmittag. "Alles, was zu sagen war, ist gesagt worden. Ich habe vor, dem nichts mehr hinzuzufügen," sagt Jürgen Möllemann wenig später.

Die Welt der Liberalen, an diesem 10. Juni soll sie im Thomas-Dehler-Haus wieder ganz in blau-gelber Harmonie erscheinen. Keine Attacke Möllemanns auf Altliberale wie Hildegard Hamm-Brücher oder Gerhart Baum. Kein böses Nachtreten des Vizes gegen Michel Friedman. So sehr sich die Journalisten auch bemühen. Möllemann redet, Westerwelle redet - aber die Luft ist irgendwie raus aus dem Streit über Antisemitismus, über einen Rechtsschwenk in der FDP. "Es war ein klärender Tag und ein klärende Sitzung des Bundesvorstandes", betont Westerwelle, damit auch niemand daran zweifelt, wer der FDP-Chef in den vergangenen Wochen gewesen ist.

Und damit auch niemand auf die Idee verfällt, die neue Harmonie nach der Sitzung von Präsidium und Bundesvorstand in Zweifel zu ziehen, kündigt Jürgen Möllemann sogleich eine außerordentliche Großveranstaltung an. "Als Team" würden Westerwelle und er am kommenden Sonntag in Düsseldorf auftreten. Sie stammten ja schließlich aus demselben nordrhein-westfälischen Landesverband.

Möllemann gibt sich so bescheiden wie schon lange nicht mehr "Er war im Zustand der Zerknirschung", beschreibt ein FDP-Mitglied den Auftritt Möllemanns in der Sitzung des Bundesvorstandes. Er werde sich künftig nicht mehr öffentlich zu den Altliberalen oder Michel Friedman äußern, habe Möllemann geschworen. Dem Gescholtenen selbst wurde in der Sitzung von Teilnehmern zugestanden, dass er den Moderator Friedman persönlich für arrogant halten könne - nicht aber durch Äußerungen den Eindruck erwecken dürfe, ihn als Vertreter einer Glaubensgemeinschaft anzugreifen.

Die Liberalen, sie wollen den Streit mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland beenden - auch aus terminlich verständlichen Gründen. Am Dienstag treffen sich schließlich Westerwelle, der Fraktionschef im Bundestag, Wolfgang Gerhardt und Ex-Außenminister Klaus Kinkel mit Paul Spiegel, dem Präsidenten des Zentralrats in der Berliner Zentrale. Vielleicht werde auch Michel Friedman hinzukommen, heißt es am Montag. Möllemann wird jedenfalls nicht dabei sein. Damit die Fassade gewahrt bleibt, hat die FDP auch die beiden anderen stellvertretenden Vorsitzenden nicht zum Gespräch geladen.

Der Tag in Berlin hatte für Westerwelle und seinen Vize um 8:15 Uhr mit einem gemeinsamen Frühstück in Westerwelles Büro begonnen. Bei diesem Gespräch hatte Möllemann seinen Parteichef noch einmal daran erinnert, dass er Westerwelles Kanzlerkandidatur unterstützt habe.

So viel bekundete Loyalität zahlt der Parteichef auf seine Art und Weise zurück: Gegenüber den Medien ist Westerwelle am Nachmittag besonders vorsichtig, wenn die Fragen auf Möllemann abzielen. Dass sein Vize von seiner Entschuldigung bei den Juden in Deutschland ausdrücklich den Moderator Friedman ausgenommen hatte, nennt er feinfühlig "nicht sinnvoll". Als Person, fügt der Parteichef hinzu, "kann jeder jeden kritisieren im Rahmen der geltenden Gesetze." Ärgerlich und gereizt reagiert der Parteichef hingegen, als ihm eine Äußerung vorgehalten wird, die Möllemann nach einem Bericht der "Berliner Zeitung" getan haben soll. "Kein Christ und kein Muslim in einer Position wie Friedman würde eine solche Sendung im Fernsehen bekommen", zitierte das Blatt einen Satz des FDP-Aufrührers auf einer Parteiveranstaltung am Samstag in Recklinghausen. Westerwelle will das nicht kommentieren.

Möllemann will sich dazu auch nicht mehr äußern. Warum auch? Persönlich mag er einige Blessuren davongetragen haben, einen Großteil der Partei aber weiß er hinter sich. Es habe Tage gegeben in der letzten Zeit, in der "ich viel Freude hatte" und solche, in "denen es weniger vergnüglich war", betont er am Montag. Das wird der Fallschirmspringer wohl verschmerzen können. An seinem Ziel, die FDP zu neuen Höhen zu führen, hält die Spitze fest. Das wird ausdrücklich vom Parteichef bestätigt. "Alle Führungsmitglieder" wollten am Projekt 18 festhalten, betont Westerwelle.

Dem Bundesvorstand ist an diesem Montag eine beim Umfrageinstitut dimap in Auftrag gegebene "Potenzialanalyse" vorgelegt worden. Tenor: Die FDP könne ihr Ziel von 18 Prozent nur dann erreichen, wenn sie Themen nicht auf der "kognitiven Ebene" anspreche, sondern auf der "emotionalen". In Westerwelles Worten heißt das an diesem Montag: "Wir müssen die Sprache der Menschen sprechen." Ein Satz, der auch von Möllemann stammen könnte.

Der Vize kann also zufrieden nach Düsseldorf zurückfliegen. Die Partei mag sich über ihn ärgern, an ihm vorbei kommt sie nicht. Manchmal sind es die kleinen Nebensätze, die am Montag in Berlin verraten, wie sehr der Mann, der ständig unter Dampf zu stehen scheint, sich unter Kontrolle halten muss. Als er auf seine Kritik an den Altliberalen angesprochen wird, erwähnt er lobend die drei Ehrenvorsitzenden Walter Scheel, Hans-Dietrich Genscher und Otto Graf Lambsdorff. Sie seien "wichtige Multiplikatoren", mit denen er stets "gut zusammengearbeitet" habe und es auch weiterhin tun werde. Hamm-Brücher und Baum erwähnt er nicht. Auch nicht auf Nachfrage. Ganz kann es Möllemann also doch nicht lassen.