Friedensdemos Das Große Echo blieb aus
Berlin - Mit Transparenten und Plakaten zogen in Berlin die Teilnehmer in einem Sternmarsch durch die Straßen der Innenstadt. In Stuttgart begann die bundesweite Aktion unter dem Motto "Kein Krieg! Aufstehen für den Frieden!" mit einer Mahnwache vor der Kommandozentrale der USA für Europa und Nahost. Zu der Aktion hatten mehr als 100 Organisationen aufgerufen - darunter Friedensgruppen und Gewerkschaften, Parteien und Globalisierungsgegner.
Bei den Kundgebungen in Berlin kritisierten Teilnehmer auch die verschärften Sicherheitsvorkehrungen in Deutschland und warnten vor einem Überwachungsstaat. Studentenvertreter forderten ein sofortiges Ende der wieder eingeführten Rasterfahndung. Rote Fahnen und blauen Luftballons mit aufgedruckter Friedenstaube beherrschten das Bild an den drei Ausgangspunkten für den Berliner Sternmarsch. Auf den Plakaten standen Sprüche wie "Krieg ist keine Lösung" und "Gerechtigkeit statt Krieg und Terror". "Schickt Rosinenbomber" war darauf zu lesen oder auch "Wollt ihr den Frieden herbeibomben?". Auf dem Plakat eines buddhistischen Vereins prangte die Ghandi-Erkenntnis: "Es gibt keinen Weg zum Frieden - Frieden ist der Weg". Etwa 2000 Polizisten begleiteten die Demonstration, die aber vollkommen friedlich blieb. Zu befürchteten Auseinandersetzungen mit NPD-Anhängern kam es nicht, von ihr distanzierten sich die Veranstalter aber.
An der Schlusskundgebung auf dem Gendarmenmarkt nahmen laut den Veranstaltern bis zu 35.000 Menschen teil, laut Polizeiangaben 15.000. Ursprünglich war mit rund 50.000 Menschen gerechnet worden.
In Stuttgart zogen laut Polizeizählung 10.000 Demonstranten zu einer Kundgebung auf den Marktplatz, die Organisatoren sprachen dagegen von 30.000. Die Teilnehmer protestierten mit Plakaten gegen die Bombenangriffe auf Afghanistan. Zu Zwischenfällen kam es auch hier nicht. Redner in Stuttgart und Berlin griffen besonders die Grünen für die Abkehr von pazifistischen Idealen hart an. Auch im friesischen Aurich demonstrierten rund 150 Kriegsgegner. Die Demonstranten forderten "eine Welt ohne Krieg, Terror, Gewalt, Unrecht und Hunger".
Schröder sieht Demonstranten fehlgeleitet
Bei einer Messeeröffnung in Köln sagte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), die Sorgen und Befürchtungen der Menschen müssten ernst genommen werden. "Mir ist die Zurückhaltung einer zivilen Gesellschaft gegenüber militärischen Risiken allemal lieber als jede Form von Hurra-Patriotismus."
In einem Interview mit dem Berliner "Tagesspiegel" bezeichnete Schröder die Kritik der Friedensbewegung allerdings als fehlgeleitet. Er wolle den Demonstranten zurufen, "wenden Sie sich an diejenigen, die den Konflikt heraufbeschworen haben", sagte Schröder einer Vorab-Meldung zufolge. Er respektiere den friedlichen Protest, doch habe der Westen weder diesen Konflikt noch das Austragen mit diesen Mitteln gewollt.
Auch SPD-Fraktionschef Peter Struck äußerte eingeschränktes Verständnis für die Friedensaktivisten. "Ich verstehe jeden, der verzweifelt nach einer Alternative zu militärischen Schlägen sucht. Ich sehe diese allerdings nicht", sagte Struck der "Berliner Morgenpost". "Es musste eine angemessene Antwort auf die Taliban und Bin Laden geben", meinte er.