Futterkontrollen Hat Bayern geschlampt?
München/Kiel - Nach einem internen Bericht der EU-Kommission habe die Auswertung der 1999 von den bayerischen Behörden untersuchten Proben von Wiederkäuerfutter in 75 Prozent der Fälle einen Anteil von Tiermehl von bis zu einem Prozent ergeben. Das berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Untersuchungsergebnisse aus dem Jahr 2000 seien den Brüsseler Beamten trotz Nachfrage vorenthalten worden. Insgesamt seien die Kontrollen bayerischer Futtermittelfabriken äußerst lückenhaft. In Bayern gab es vier der fünf in Deutschland bisher offiziell festgestellten BSE-Fälle.
In der Nacht zum Freitag wurde die Rinderherde des Hofes im Allgäu abtransportiert, auf dem vor einer Woche der erste BSE-Fall in Bayern festgestellt worden war. Alle 88 Tiere wurden von dem Hof in Sulzberg zu zwei Tierkörperbeseitigungsanlagen in Schwaben gebracht, berichtete der Landrat des Kreises Oberallgäu, Gebhard Kaiser (CSU), am frühen Freitagmorgen. Dort würden die Rinder getötet und untersucht.
Schon 1994 hat es nach Angaben des Kieler Zoologie- Professors Sievert Lorenzen konkrete Hinweise darauf gegeben, dass fünf an BSE erkrankte Importrinder auf einem Hof bei Hannover sich erst in Deutschland infiziert hatten. Der jetzige Bundeslandwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke (SPD) sei als damaliger niedersächsischer Minister diesen Hinweisen nicht ernsthaft nachgegangen.
Kritik an Funke
Vor dem Hintergrund neuer Vorwürfe, Funke habe Forderungen der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere nach flächendeckenden BSE-Tests im Frühsommer ignoriert, forderte der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Hans-Peter Repnik, den Rücktritt des Landwirtschaftsministers. Der "Berliner Morgenpost" sagte der CDU-Politiker: "Wenn das stimmt, ist es egal, ob er das Gutachten verschlampt oder bewusst ignoriert hat. Das Maß ist ohnehin längst voll: Karl-Heinz Funke hat seinen Sessel schleunigst zu räumen."
In weiteren Gesprächen mit Handel und Fleischwirtschaft will das Bundesgesundheitsministerium sicherstellen, dass keine BSE-gefährdeten Fleisch- oder Wurstwaren den Verbraucher erreichen. Gesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) kündigte in der ARD ein Treffen bereits für den heutigen Freitag an.