G-8-Bilanz: Merkel strahlt die Männer in den Schatten - DER SPIEGEL
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G-8-Bilanz Merkel strahlt die Männer in den Schatten

Klimaschutz, neue Milliarden für die Afrika-Hilfe, mehr Dialog mit den Schwellenländern - die Beschlüsse des G-8-Gipfels können sich nach Ansicht von Gastgeberin Angela Merkel sehen lassen. SPIEGEL ONLINE listet die Bilanz für jeden einzelnen Gipfelteilnehmer auf
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Eine Frau und acht Männer, wenn man EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, der quasi Beobachterstatus hat, dazu zählt. Sie feilschten, pokerten und schlossen Kompromisse auf dem G-8-Gipfel von Heiligendamm, während vor dem umstrittenen Hightech-Zaun Zehntausende ihre Forderungen skandierten. Wer gewann, wer verlor, wer schob sich ins Rampenlicht, wer machte nur unter ferner liefen mit.

Die persönliche Bilanz der G-8-Chefs:

Die Managerin: Angela Merkel

Die Gipfel-Chefin hatte ihre sieben Gäste gut im Griff. Durch die Bank lobten die sieben geladenen Staatenlenker Angela Merkels Führungsstärke und die gute Vorbereitung des Treffens. Mit einer Mischung aus Standhaftigkeit, Freundlichkeit und der Unterstützung ihrer europäischen Kollegen schaffte es die G-8-Präsidentin beim Streitthema Klimaschutz sogar, dem widerspenstigen US-Präsidenten George W. Bush zumindest kleine Zugeständnisse abzuringen - auch wenn letztlich keine konkreten Vorgaben zur Reduzierung der Kohlendioxidemissionen im Abschlussprotokoll zu finden sind. Auch den "Heiligendamm-Prozess", den Dialog der G8 mit den fünf wichtigsten Schwellenländern, kann sich Merkel auf die Fahnen schreiben. Wieder einmal hat die Kanzlerin auf internationaler Bühne ihren Ruf als geschickte Verhandlungsführerin behauptet.

Der halb gezähmte Widerspenstige: George W. Bush

Seine starre Haltung in Sachen Klimaschutz, der Streit mit Russland um das Raketenabwehrsystem - für den US-Präsidenten barg der G-8-Gipfel reichlich Konfliktpotential. Zu Hause wegen des Irak-Desasters und der demokratischen Mehrheit im Kongress unter Druck, sah George W. Bush damit aber auch die Chance, sich beim Gipfel noch einmal als verantwortungsvoller Staatenlenker zu präsentieren. Bei konkreten Klimaschutzzielen lenkte Bush denn auch nicht ein, ein Stück weit gab er aber dennoch nach: Endlich scheint er die Uno als richtigen Rahmen für den Kampf gegen den Klimawandel zu akzeptieren. Kalt erwischt wurde Bush vom Vorschlag des russischen Präsidenten Wladimir Putin, statt des geplanten US-Systems in Polen und Tschechien einen gemeinsamen Raketenschild in Aserbaidschan zu errichten. Er rang sich lediglich das Wörtchen "interessant" ab.

Der aufgeweichte Hardliner: Wladimir Putin

Das rabiate Vorgehen gegen oppositionelle Demonstranten, die scharfe Kalte-Kriegs-Rhetorik, mit der er den Streit um den Raketenschild noch kurz vor dem Gipfel anheizte - Wladimir Putin reiste als böser Bube nach Heiligendamm. Doch an der Ostsee präsentierte sich der Herr des Kremls plötzlich locker und gelöst, statt grimmiger Eiszeitmiene setzte er ein freundliches Lächeln auf. Sein überraschender Vorschlag, mit den USA ein gemeinsames Abwehrsystem in Aserbaidschan zu errichten, gegen das Moskau keine Einwände hätte, ließ die Kritiker vorerst verstummen. Die Demokratiedefizite im eigenen Land rückten damit in den Hintergrund.

Der Möchtegern-Macher: Nicolas Sarkozy

Der neue französische Präsident versuchte sich bei seinem ersten großen Auftritt auf der internationalen Bühne als durchsetzungsstarker Macher zu inszenieren. Nach der Einigung auf den Klimakompromiss ließ Nicolas Sarkozy die Welt noch einmal wissen, dass er lieber konkrete Zielvorgaben zur CO2-Reduktion festgeschrieben hätte. Und nur zu gern wies er darauf hin, dass nur auf sein Betreiben wenigstens das Wörtchen "ernsthaft" in die Absichtserklärung zum Klimaschutz aufgenommen wurde. Dass er klare außenpolitische Vorstellungen hat und sich als zupackenden Reformer sieht, machte der seit Mai amtierende Konservative mit einer Reihe von Initiativen deutlich: ein Aufschub der Kosovo-Verhandlungen, eine Darfur-Konferenz in Paris und die Einigung mit dem britischen Premier Blair auf einen abgespeckten EU-Vertrag.

Der Scheidende: Tony Blair

US-Präsident George W. Bush sprach schwermütig von einem "nostalgischen Augenblick", als er sich vergegenwärtigte, dass er in Heiligendamm zum letzten Mal mit Tony Blair als britischem Regierungschef zusammenkommen sollte. Blair selbst, der sein Amt im Juni an seinen bisherigen Finanzminister Gordon Brown abgibt, wollte dagegen keine Wehmut aufkommen lassen. Er gab ganz den Sachpolitiker: "Um ganz ehrlich zu sein, ich bin so mit dem Unterschied von verschiedenen Systemen zum Emissionshandel beschäftigt, dass ich gar keine Zeit habe, mich nostalgisch oder sonst irgendwie zu fühlen." Umso mehr pries er den erreichten Klimakompromiss und das Hilfspaket für Afrika als gelungene Umsetzung dessen, was er als Gipfelpräsident vor zwei Jahren in Gleneagles angeschoben hatte. Zusammen mit Sarkozy war er eine starke Stütze für die Kanzlerin in den Klimaverhandlungen.

Die Statisten: Shinzo Abe, Romano Prodi, Stephen Harper

Foto: AP / Getty / dpa

Die Staatenlenker Italiens, Japans und Kanadas blieben weitgehend blass. Romano Prodi hat zu Hause reichlich Probleme, seine Mehrheit hinter sich zu scharen. Auch Shinzo Abe ist daheim unter Druck und kann sich angesichts schlechter Umfragewerte nicht einmal sicher sein, im kommenden Sommer zur japanischen G-8-Präsidentschaft der nächste Gipfelgastgeber zu sein. Und Stephen Harper liegt es nach eigener Aussage ohnehin nicht besonders, sich in den Vordergrund zu spielen. Dennoch bemühten sich alle, zumindest hinter den Kulissen beim strittigen Thema Klimaschutz zu vermitteln, vornehmlich indem sie sich auf die Seite der Kanzlerin schlugen. Die Zusagen zum Hilfspaket für Afrika ließen sich Prodi und Harper allerdings nur widerwillig abringen.