Grüne: Jeder gegen Jeden - DER SPIEGEL
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Grüne Jeder gegen Jeden

Eine Woche vor dem Parteitag der Grünen hat sich der innerparteiliche Zwist wegen der umstrittenen Parteireform erheblich verschärft. Es gilt mal wieder: Jeder gegen Jeden.
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Berlin - Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer beklagte im SPIEGEL "undemokratische Zustände durch informelle Zirkel". So sei zum Beispiel der parteiinterne Koalitionsausschuss "von niemandem legitimiert, er verfügt aber über eine unglaubliche Machtfülle", sagte Fischer. Posten würden nur als Sprungbrett in die Parlamente betrachtet. Außerdem beklage die Partei immer nur Schwierigkeiten, anstatt "für unsere Erfolge zu werben". Sie sei bestürzt darüber, dass sich immer weniger junge Leute für die Grünen interessierten. "Die können mit den Flügelkämpfen nichts anfangen, die zum Instrument der innerparteilichen Machtverteilung verkommen" seien.

Die scheidende Vorstandssprecherin Gunda Röstel stellte die Doppelspitze zur Disposition. Die bisherige Praxis zementiere Denken in Flügelproporz, sagte sie der "Welt am Sonntag". Die Konkurrenzsituation zwischen ihr und Radcke sei unglücklich gewesen.

Radcke ihrerseits plädierte in "Focus" für eine stärkere Orientierung nach links: "Die Freidemokraten überflüssig zu machen, indem wir liberale Positionen der FDP übernehmen, ist gescheitert." Die Grünen hätten bei den Stammwählern am linken Rand mehr Stimmen verloren, als in der Mitte gewonnen.

Röstel und der Geschäftsführer im Bundesvorstand, Reinhard Bütikofer, widersprachen Umweltminister Trittin, der der Parteispitze "mangelnde Führungskunst" vorgeworfen hatte. Wenn jemand Führungsstärke gezeigt habe, sei es der Vorstand gewesen, sagte Röstel.

Bütikofer: Fischer-Vorschlag findet wenig Widerhall

Bütikofer griff wiederum Außenminister Fischer an, der die Berliner Fraktionschefin Renate Künast und ihren baden-württembergischen Kollegen Fritz Kuhn als Sprecher-Kandidaten ins Spiel gebracht hatte. "Das finde ich, um es höflich auszudrücken, sehr unglücklich", sagte Bütikofer im Fernsehsender N-TV. Diese "Verquickung von Personalien und Strukturfragen" sei in der Partei auf nicht viel positiven Widerhall gestoßen.

Künast will nur als Sprecherin kandidieren, wenn die Basis in Karlsruhe die Strukturreform billigt. Dabei geht es unter anderem darum, die Trennung von Amt und Mandat abzuschaffen.