Parteitagsbeschluss Veggie-Day ist den Grünen ab sofort "herzlich egal"
Parteitagsbeschluss: Veggie-Day ist den Grünen ab sofort "herzlich egal"
Foto: Andrew Burton / AFPHamburg - Schluss mit dem Image der Verbotspartei: Die Delegierten des Hamburger Parteitages der Grünen haben ein Grundsatzpapier beschlossen, in dem sich die Partei von der Idee eines wöchentlichen "Veggie Day" lossagt. In dem Antrag bekennen sich die Grünen zu einer freiheitlichen Gesellschaft, in der der sozialer Ausgleich gesucht werden müsse.
Strukturelle Änderungen bei Lebensmitteln müssten bei den Produzenten, und nicht bei den Konsumenten ansetzen, heißt es in dem beschlossenen Antrag. "Ob jemand am Donnerstag Fleisch isst oder nicht, ist uns herzlich egal." Ein Antrag, diesen Satz zu streichen, fand unter den Delegierten keine Mehrheit. Der Vorschlag eines wöchentlichen vegetarischen Tages in Kantinen hatte der Partei vor der Bundestagswahl heftige Kritik eingebracht und galt als ein Grund für ihr mageres Abschneiden.
"Freiheit erfordert Gerechtigkeit und eine sozial ausgleichende Politik, wenn sie nicht die Freiheit einiger weniger meinen soll", heißt es in dem Antrag weiter. Zugleich wird in dem Papier neoliberalen Tendenzen eine klare Absage erteilt.
Grünen wolle "einfach grün" sein
In dem bis kurz vor der Abstimmung am Abend formulierten "Versöhnungsantrag" namens "Grüner Aufbruch 2017" heißt es: "Wir bekräftigen den nach der Bundestagswahl eingeschlagenen Kurs und wollen weiter Fahrt aufnehmen." In dem dann mit klarer Mehrheit gebilligten Antrag wird auch die Eigenständigkeit der Partei betont: "Wir sind nicht rot-grün, nicht schwarz-grün, nicht die neue FDP, sondern schlicht und einfach grün."
Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann warb vor den knapp 500 Delegierten für seinen wirtschaftsfreundlichen Kurs. Der Vorsitzende Cem Özdemir räumte Startschwierigkeiten des seit einem Jahr amtierenden Führungsquartetts der Grünen ein. Das neue Team mit Co-Chefin Simone Peter sowie den Fraktionschefs Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter habe sich erst einspielen müssen. "Aber das haben wir jetzt", sagte Özdemir. "Und jetzt geht es nach vorne", sagte der Grünen-Chef mit Blick auf die nächsten Wahlen.