Grüner Ministerpräsident Kretschmann - DER SPIEGEL
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Grüner Ministerpräsident Kretschmann "Die Partei ist aus der Spur"

Winfried Kretschmann, baden-württembergischer Ministerpräsident, will sich künftig stärker in die Bundespolitik der Grünen einmischen. Der Spitzenpolitiker sagte dem SPIEGEL, von seinem Landesverband könne die Bundespartei viel lernen. Unterdessen gerät Cem Özdemir in der Partei unter Druck.
Selbstbewusster Kretschmann: Grüne im Bund sollen vom Ländle lernen
Selbstbewusster Kretschmann: Grüne im Bund sollen vom Ländle lernen

Selbstbewusster Kretschmann: Grüne im Bund sollen vom Ländle lernen

Foto: Bernd von Jutrczenka/ dpa
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Berlin/Hamburg - Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat scharfe Kritik am Zustand der Grünen geäußert und angekündigt, die Bundespartei stärker nach Stuttgarter Vorbild umbauen zu wollen.

"Die Partei ist aus der Spur geraten", sagte Kretschmann dem SPIEGEL. "Sie hat Politik zu lange entlang der alten Protestlinien gemacht." Kretschmann kritisierte, dass die Bundespartei zu wenig vom baden-württembergischen Landesverband lerne; dieser sei "der mit Abstand erfolgreichste unserer Partei", werde aber von der Bundesebene "immer mal mit spitzen Fingern" angefasst. "Das irritiert mich auch. Unsere Erfolge kommen ja nicht von ungefähr." Kretschmann kündigte an, er wolle sich "mehr in die Bundespolitik meiner Partei einmischen".

Unter Druck gerät bei den Grünen nun auch deren Bundesvorsitzender Cem Özdemir. Die Rücktrittswelle bei den Grünen nach der Bundestagswahl war bislang schadlos an ihm vorübergegangen. Doch kurz vor dem Parteitag am kommenden Wochenende in Berlin macht sich beim Realo-Flügel der Partei Ärger über den Vorsitzenden breit.

Ein miserables Ergebnis bei seiner Wiederwahl gilt als sicher, nicht einmal ein Scheitern ist auszuschließen. Einflussreiche Realos aus mehreren Landesverbänden äußerten in den vergangenen Tagen ihren Unmut über den Parteichef. Er habe sich im Wahlkampf zu wenig außerhalb seines Stammlandes Baden-Württemberg engagiert und danach die Interessen des Realo-Flügels nicht hinreichend vertreten. So misslang die Wahl der Wirtschaftspolitikerin Kerstin Andreae zur Fraktionsvorsitzenden, was dem Stuttgarter Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann am Herzen lag. Auch die Reform des Parteirats, um die Özdemir sich kümmert, droht zu scheitern.

Während die Grünen intern über die Konsequenzen aus dem schlechten Abschneiden bei der Bundestagswahl (8,4 Prozent) debattieren, sind sie nach wie vor im Rennen um eine Regierungsbeteiligung an der Seite der Unionsparteien. Am Montag treffen sich aber zunächst die CDU-Vorsitzende Angela Merkel und die Verhandlungsführer der SPD zu Sondierungen einer Großen Koalition. Am Dienstag sind dann wieder die Sondierer der Grünen gefragt. Mit dabei sollen auch am Dienstag wieder sein: Ministerpräsident Kretschmann und Grünen-Vorsitzender Özdemir.