Günter Grass attackiert Oskar Lafontaine - DER SPIEGEL
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SPD und Linke Grass attackiert Lafontaine

Der Literatur-Nobelpreisträger und SPD-Unterstützer Günter Grass hat Oskar Lafontaine scharf kritisiert. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, wirft der Schriftsteller dem Linken-Politiker und ehemaligen SPD-Chef "schmierigen Verrat" an den Sozialdemokraten vor.
Günter Grass (Archivfoto): "Charakterlosigkeit ohnegleichen"
Günter Grass (Archivfoto): "Charakterlosigkeit ohnegleichen"

Günter Grass (Archivfoto): "Charakterlosigkeit ohnegleichen"

Foto: Peter Steffen/ picture alliance / dpa
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Hamburg - Die Attacken gegen Oskar Lafontaine platziert Günter Grass in einem Gespräch mit dem Publizisten Manfred Bissinger, aus dem die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ") zitiert. Darin äußerst sich Grass zu einem möglichen Bündnis zwischen SPD und Linkspartei. Ein "Hemmnis auf dem Weg dorthin" sei Oskar Lafontaine, sagte der Literaturnobelpreisträger.

Bissinger ist gemeinsam mit Wolfgang Thierse Herausgeber des Buchs "Was würde Bebel dazu sagen?", in dem das Gespräch mit Grass erscheint. Die "Süddeutsche Zeitung" druckt in ihrer Dienstagsausgabe eine autorisierte gekürzte Fassung des Interviews.

Grass erklärt darin, es müsse im Interesse von SPD und Linkspartei liegen, sich anzunähern, doch Lafontaine halte mit seiner "Verweigerungsstrategie" die Linke davon ab, Verantwortung zu übernehmen.

Grass erinnert an Lafontaines spektakulären Rücktritt als Finanzminister und SPD-Chef 1999. "Es gab in der Geschichte der sozialdemokratischen Partei keinen schmierigeren Verrat, wie den von Oskar Lafontaine an seinen Genossen", sagt der 85-jährige Grass. "Gleichzeitig alle Ämter niederzulegen, eine Wende um 180 Grad zu inszenieren, die eigene Partei in der 'Bild'-Zeitung anzugreifen, dazu gehört eine Charakterlosigkeit ohnegleichen."

Lafontaine wies gegenüber der "SZ" die Vorwürfe zurück: Grass bekomme viele Dinge nicht mehr mit, sonst wüsste er, dass er der SPD immer wieder angeboten habe, mit der Linken die Bundesregierung oder Länderregierungen zu bilden, sagte der 69-Jährige dem Blatt. Aus der Bundespolitik hatte sich Lafontaine 2009 zurückgezogen, seitdem führt er die Fraktion der Linken im saarländischen Landtag.

Lafontaine attackiert in der "SZ" seinerseits Grass: "Seit bekannt ist, dass Grass Sozialdemokraten wie Karl Schiller bedrängt hat, ihre Nazi-Vergangenheit offenzulegen, während er die eigene Zugehörigkeit zur Waffen-SS verschwieg, sollte er sich zu Charakterfragen besser nicht mehr äußern", sagte er dem Blatt.

pad