Hamburger Wahlkampf Patt im Duell
Hamburg - "Das Duell" steht in großen schwarzen Lettern auf den weißen Stellwänden hinter dem Podium. Lächelnd und plaudernd betreten Ole von Beust und Thomas Mirow gemeinsam mit der Moderatorin Maybritt Illner das Podium. Locker soll das wirken, unverkrampft.
Es gibt kurz Gelegenheit für die Fotografen, die drei nebeneinander aufs Bild zu bannen. Dann folgen ein paar Instruktionen im professionellen Plauderton von der Moderatorin an die rund 300 geladenen Gäste in der Axel-Springer-Passage: Handys aus, nochmal ordentlich abhusten bevor die TV-Kameras angehen. Punkt 19 Uhr, schon gehts los.
Der Hamburger Bürgermeister und CDU-Mann darf zuerst was sagen. Wie er die jüngsten "Umbuchungen" innerhalb der SPD findet, will Illner wissen. "Das ist nicht mein Problem", befindet von Beust knapp. Sozialdemokrat Mirow sagt ein bisschen mehr dazu, denn er hat das Problem den Wechsel verkaufen zu müssen: "Schröder kann sich jetzt voll auf sein Regierungsamt konzentrieren."
Routiniert erklären die beiden Wahlkämpfer ihre Positionen. Thomas Mirow will eine Neuauflage von Rot-Grün. Ole von Beust sagt, dass er gern 48 Prozent plus X erreichen würde am 29. Februar. "Eine klare Mehrheit ist mein Ziel." Über andere Konstellationen verliert er nicht viele Worte. Ganz klar macht er nur eines: Nie wieder mit Schill. Nie wieder will er mit dem Rechtspopulisten sprechen, mit dem er zwei Jahre gemeinsam regiert hat. "Alles, was auch nur einen Hauch von Schill hat, kommt überhaupt nicht in Frage", sagt er im Basta-Tonfall.
"Ich wüsste gern," fragt Mirow spitzbübisch nach, "ob Herr Nockemann (Anm. d. R.: jetziger Hamburger Innensenator und Mitglied der früheren Schill-Partei) einen Hauch von Schill hat. Ist die Zusammenarbeit mit beiden Schill-Parteien ausgeschlossen?" Das beantwortet von Beust mit einem klaren "Ja".
Warum es von Beust, dessen Hamburger CDU in den Umfragen weit vorn liegt, nicht schadet, dass er Schill mit in die Regierung genommen hat, hakt Illner nach. Mirow erklärt das mit dem kurzen Gedächtnis der Wähler. Den Hamburgern sei eher noch im Kopf, dass von Beust die Koalition beendet habe. Er habe der Schill-Partei ja schließlich nicht den Boden bereitet, wehrt von Beust ab. Die Politik des vorherigen rot-grünen Senats sei dafür verantwortlich. "Wenn Ihre These stimmt", kontert Mirow, "warum sind die unzufriedenen Wähler dann zu Schill und nicht zur CDU gegangen?"
Dann erklären beide noch, dass die jeweils eigene Partei die bessere Wirtschafts-, Drogen-, Arbeitsmarktpolitik macht und dass die jeweils andere Partei das natürlich viel schlechter macht. Da fallen dann Sätze wie dieser von Mirow: "Die besten Dinge, die der Beust-Senat auf den Weg gebracht hat, haben wir angeschoben. Also, warum soll ich ihn dafür verurteilen?"
Die Stunde plätschert dahin, es bleibt hanseatisch gelassen. Persönliche Angriffe bleiben wie auch im übrigen Hamburger Wahlkampf aus. Man kann kaum sagen, ob einer von beiden besser oder schlechter war. An diesem Abend waren eher beide blass. Patt.