Helmut Kohl "Es gibt blühende Landschaften"
Berlin - Wer heute mit offenen Augen von Rügen bis zum Erzgebirge fahre, werde erkennen: "Es gibt die blühenden Landschaften", sagte Kohl. Zwar hätten alle demokratischen Parteien in den vergangenen zehn Jahren am Einheitsprozess mitgearbeitet, aber keine andere Partei habe die Geschichte der Bundesrepublik so geprägt wie die CDU. Insgesamt 36 Jahre lang sei die Union in der Regierungsverantwortung auf Bundesebene gewesen. "Es waren die besten Jahre für Deutschland und Europa." Es habe allerdings auch Fehler gegeben."Das sage ich auch für mich persönlich, weil ich es besser weiß als jeder andere", so Kohl.
Der Ex-Kanzler dankte seinen sozialdemokratischen Amtsvorgängern Willy Brandt und Helmut Schmidt für ihre "Wegmarkierungen" zur deutschen Einheit. Trotzdem warf Kohl der SPD vor, "in zentralen Schicksalsfragen unserer Nation versagt" zu haben.
In den fünfziger Jahren habe sie die Politik der europäischen Integration erbittert bekämpft. Sie sei auch gegen die soziale Marktwirtschaft gewesen und habe auch heute noch immer Probleme mit ihr. In der Frage der Einheit der Nation sei die SPD drauf und dran gewesen, "unsere Landsleute in der DDR kläglich im Stich zu lassen". Die SPD habe das Wiedervereinigungsgebot des Grundgesetzes aufgegeben gehabt, sagte Kohl. Bundeskanzler Gerhard Schröder habe noch kurz vor dem Umbruch in der DDR gesagt, man dürfe das Volk nicht über die Wiedervereinigung belügen - eine Einheit sei utopisch. Schröder solle diese Aussage nicht länger leugnen. Eine "Umschreibung der Geschichte machen wir nicht mit", rief Kohl der Parteiprominenz entgegen.
Trotz der Vorwürfe wegen der Spendenaffäre aus den eigenen Reihen bekräftigte der Ex-Kanzler seine Verbundenheit mit der CDU. "Die CDU ist und bleibt meine politische Heimat". Er freue sich, bei dem Festakt zehn Jahre eine CDU dabei sein zu dürfen. Zu der Kritik an seinem Verhalten in der Spendenaffäre schwieg Kohl sich allerdings aus.
Für seine Rede erhielt der Ex-Kanzler stehende Ovationen.