Herbert Mai: Ein Mann der leisen Töne - DER SPIEGEL
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Herbert Mai Ein Mann der leisen Töne

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Stuttgart - Herbert Mai ist nicht der wortgewaltige Arbeiterführer, der auf den Putz haut. Der 53-Jährige ist seit fast sechs Jahren Chef der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) und gilt als ein Mann der leisen Töne, der gut zuhören kann und auf Argumente vertraut.

Das rühmten selbst seine Gegner an ihm, die Arbeitgeber von Bund, Ländern und Gemeinden. In den eigenen Reihen nutzte das Mai wenig: Zu stark sind die Vorbehalte gegen die Kompromisse bei der geplanten Bildung des Dienstleistungs-Riesen Verdi in der zweitgrößten deutschen Gewerkschaft.

Als Mai im Februar 1995 in Hannover zum ÖTV-Chef gekürt wurde, lag ihm die Basis zunächst nicht zu Füßen. Einige Altgediente zogen lange Gesichter. Der Grund: Die organisierten Arbeitnehmer waren andere Kaliber gewöhnt - Heinz Kluncker zum Beispiel, der für seine Schlitzohrigkeit von der Basis geliebt und von den Arbeitgebern gefürchtet wurde. An dessen Nachfolgerin Monika Wulf-Mathies schätzten die ÖTV-Mitglieder ihr forsches Auftreten.

Doch bald beeindruckte Mai die eigenen Reihen mit Härte und Ausdauer in den Tarifverhandlungen für die 3,1 Millionen Arbeiter und Angestellten im öffentlichen Dienst, für die es wegen leerer Kassen bei Bund, Ländern und Gemeinden seit Jahren kaum etwas zu holen gibt.

In den vergangenen Monaten sah sich Mai allerdings auch immer wieder Nadelstichen aus den eigenen Reihen ausgesetzt: Der ÖTV-Chef zeige Führungsschwäche und sei gegenüber der rot-grünen Bundesregierung und den öffentlichen Arbeitgebern zu nachgiebig, warfen ihm seine Kritiker vor.

Mai konterte, die Zeiten, in denen hartes Auftreten allein genügte, seien vorbei. Alte Formeln seien kein Garant für den Erfolg moderner Gewerkschaftspolitik.

Mai, der am 5. September 1947 in Dalheim-Rödgen in Nordrhein-Westfalen geboren wurde, kennt die zweitgrößte DGB-Gewerkschaft in allen Facetten. Der Verwaltungsfachmann trat 1964 in die ÖTV ein und erklomm Stufe um Stufe die Karriereleiter der rund 1,5 Millionen Mitglieder starken Gewerkschaft: Schon 1965 wurde er Vertrauensmann, 1971 ÖTV-Jugendsekretär in Hessen. Dort war er von 1982 bis 1995 Bezirkschef. Anfang 1995 wurde der Mann mit "Stallgeruch" zum ÖTV-Vorsitzenden gewählt und eineinhalb Jahre später im Amt bestätigt.

In der Gewerkschaft und bei den Arbeitgebern machte sich Mai als pragmatischer Reformer und Modernisierer einen Namen. Couragiert trat er 1997 dafür ein, Arbeit und Lohn gerechter zu verteilen, um Arbeitslose von der Straße zu holen. Doch die ÖTV sagte Nein zu seinem Vorstoß für eine Arbeitszeitverkürzung ohne vollen Lohnausgleich. Das war für Mai - von der Richtigkeit und Notwendigkeit seines Vorschlags überzeugt - eine bittere Niederlage. Nicht die letzte - wie sich jetzt gezeigt hat.

Doris Trapmann, dpa