Hintergrund: Airbus als Transall-Ersatz - DER SPIEGEL
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Hintergrund Airbus als Transall-Ersatz

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Der Militärtransporter A400M soll die Transall, das alte, zuverlässige "Arbeitspferd" der Bundeswehr, ablösen. Die ersten vier A400M werden voraussichtlich 2009 ausgeliefert und sollen erst ein Jahr später in Dienst gehen.

Der A400M wird nach Standards eines zivilen Flugzeugherstellers gebaut, das M steht für militärische Version. Seine Ladekapazitäten werden wesentlich größer und seine Transportkosten erheblich niedriger sein als die der Transall. Außerdem ist er viel schneller. Hauptaufgaben sollen große Transporte wie jetzt in Afghanistan bei der Verlegung und Versorgung von Einsatzkräften, der Transport von Kranken und Unfalltoten sowie Luftlandeoperationen und Evakuierungsmaßnahmen sein.

Hersteller ist die Airbus-Tochter Airbus Military Company in Toulouse. Der Großraum-Transporter kostet im Grundpreis 95,24 Millionen Euro. Der Systempreis pro Maschine, der Ausbildung und eine Erstausstattung von Ersatzteilen umfasst, beträgt 117,88 Millionen Euro.

Gegenüber den sieben internationalen Partnern hat Deutschland politisch die Absicht bekundet - auch die Opposition -, insgesamt 73 A400M über die gemeinsame Rüstungsagentur OCCAR zu bestellen. Das Programm kostet damit gut 8,6 Milliarden Euro. Da aber nicht "nach Kostenanfall" gezahlt wird, sondern "bei Lieferung" entstehen zusätzliche Zinskosten von 849 Millionen Euro, die der vorfinanzierenden Industrie zu erstatten sind. Damit erhöhen sich die Kosten für Deutschland bei Verwirklichung des gesamten Programms auf knapp 9,5 Milliarden Euro - ohne die üblichen Preissteigerungen.

Die jetzige Entscheidung im Haushaltsausschuss bezieht sich aber nur auf die Freigabe der gesperrten 5,1 Milliarden Euro, die im Herbst vergangenen Jahres in den Haushalt 2002 gestellt worden waren.

Rein rechnerisch können damit nur etwa 40 neue Transportflugzeuge bestellt werden. Die genaue Zahl wird vom Verteidigungsministerium verheimlicht. Die Bestellung der restlichen 33 Maschinen für verbleibende 4,4 Milliarden Euro ist völlig in der Hand des - nach der Wahl im September - nächsten Bundestages.

Alle acht europäische Staaten wollen bisher zusammen 196 Flugzeuge anschaffen. Der Vertragswert umfasst zwar 21,7 Milliarden Euro. Tatsächlich kommen aber wie für Deutschland weitere Ausrüstungs- Komponenten hinzu, so dass Fachleute mit mindestens 24 Milliarden Euro rechnen. Neben Deutschland als größtem Kunden und Frankreich, das 50 Flugzeuge bestellt, sind auch Spanien (27), Großbritannien (25), Türkei (10), Belgien (7), Portugal (3) und Luxemburg (1) beteiligt. Italien war inzwischen abgesprungen. Die Anschaffung gilt als die wohl größte in der europäischen Rüstungsgeschichte.

Nach Angaben von Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) werden die Transportpreise pro Tonne mit dem A400M rund ein Zehntel der jetzigen Kosten der Transall betragen. Während die Transall eine Geschwindigkeit von 455 Stundenkilometern erreicht, hat der A400M eine Reisegeschwindigkeit von 780 Stundenkilometern.

Der A400M kann 37 Tonnen Fracht befördern und in der Luft aufgetankt werden. Ohne Auftanken liegt sein Einsatzradius bei einer Beladung mit 30 Tonnen Fracht bei 4400 Kilometern. Bei Katastrophen-Einsätzen kann er Hubschrauber ebenso transportieren wie in Krisenfällen insgesamt 120 Soldaten inklusive Ausrüstung. Zurzeit besitzt die Bundeswehr noch 84 Transall-Maschinen.