Hintergrund Der Rhein-Main-Flughafen
Frankfurt/Main - Mit 45,9 Millionen Passagieren im Jahr 1999 ist der Frankfurter Flughafen nach London-Heathrow der größte in Europa. Bei der Luftfracht ist der Airport mit einem jährlichen Umschlag von 1,43 Millionen Tonnen sogar europaweit führend. Das stürmische Wachstum - für 2006 erwartet die Flughafen AG (FAG) 56 Millionen Reisende - ist nach dem Urteil der Experten mit den bestehenden System von drei Start- und Landebahnen nicht mehr zu bewältigen.
Probleme bereitet den Flughafenbetreibern die Anordnung der beiden Ost-West-Parallelbahnen. Sie liegen so eng beieinander, dass die Jets wegen der entstehenden Luftwirbel nicht gleichzeitig starten und landen dürfen, sondern in einer Art Reißverschlussverfahren gestaffelt werden müssen. Eine Erweiterung des Flughafens ist jedoch schwierig: Nach dem erbitterten Kampf gegen den Bau der Startbahn West in den achtziger Jahren wurde der stadtnahe Airport politisch zum "Wachstum innerhalb des Zauns" verpflichtet. 1998 hatte Lufthansa-Chef Jürgen Weber die Diskussion über den Bau einer vierten Landebahn angestoßen, über den jetzt entschieden werden soll.
Der 1936 eröffnete Großflughafen liegt mitten im Ballungszentrum Rhein-Main am Frankfurter Kreuz. Auf dem 15,6 Quadratkilometer großen Gelände sind derzeit über 60.000 Menschen beschäftigt. Damit ist der Flughafen die größte lokale Arbeitsstätte in Deutschland. Größter Arbeitgeber ist die Lufthansa mit 28.000 Beschäftigten. Der Chef der FAG, Wilhelm Bender, steuert einen Expansionskurs und will das Unternehmen 2005 zu einem der weltweit drei leistungs- und renditestärksten Airport-Konzerne machen. Neben dem Wachstum in Frankfurt setzt Bender auf Beteiligungen im In- und Ausland und ist Ende 1999 eine strategische Partnerschaft mit einem der schärfsten europäischen Konkurrenten, Amsterdam-Schiphol, eingegangen. Zum Erreichen der ehrgeizigen Ziele will die FAG 2001 privates Kapital an Bord holen, vermutlich durch einen Börsengang.
Bislang ist der Flughafen ganz in öffentlicher Hand: Das Land Hessen hält 45,2 Prozent der Anteile, die Stadt Frankfurt 28,9 und der Bund 25,9 Prozent.