Hitzacker Friedliche Proteste vor Castor-Start
Hitzacker - Die Polizei sprach von 3.100 Teilnehmern, die Veranstalter von mehr als 4.000. Die Demonstranten wurden von 40 Traktoren begleitet. Um 17.26 Uhr startete im französischen Valognes der Transport mit den zwölf Castor-Behältern, wie die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg (BI) und Greenpeace übereinstimmend mitteilten. Der Zug soll am Sonntagmittag die deutsche Grenze erreichen.
Die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg hatte auch zu der Protestaktion in Hitzacker aufgerufen. Die Aktivisten befürchten, dass mit jedem Transport nach Gorleben die Wahrscheinlichkeit eines Endlagers steigt. Der Salzstock sei aber wegen geologischer Probleme dafür nicht geeignet. BI-Sprecher Francis Althoff kritisierte die künftige große Koalition und die Atomkraftwerksbetreiber, die sich nach seiner Ansicht "die Taschen mit dem Geld der Stromkunden voll stopfen".
Die Grünen-Vorsitzenden Claudia Roth und Reinhard Bütikofer unterstützen in einem Brief an die betroffenen Kreisverbände die Proteste. Sie sprachen sich dafür aus, alternative Endlager-Standorte zu prüfen. "Wir Grüne bezweifeln die Eignung des Salzstocks in Gorleben als Endlager für Atommüll, da er dem Mehrbarrierenprinzip nicht gerecht wird", schrieben sie. Der designierte Umwelt-Staatssekretär Michael Müller kündigte an, dass die neue Bundesregierung schneller als bisher nach einem atomaren Endlager suchen wolle. Das bisherige aufwendige Verfahren werde so nicht weiter verfolgt, sagte der SPD-Politiker der "Berliner Zeitung". Die große Koalition wolle sich vorab aber nicht auf den Standort Gorleben festlegen.
Niedersächsischer Umweltminister will Endlager
Der niedersächsische Umweltminister Hans-Heinrich Sander von der FDP äußerte sich positiv über ein mögliches Endlager in seinem Bundesland. "Das Moratorium zur Erkundung des Salzstocks in Gorleben muss so schnell wie möglich aufgehoben werden. Am besten sofort." Nur so werde man wissen, ob der Standort für ein Endlager geeignet sei. Die geologischen Befunde stünden einer Lagerung von hochradioaktivem Müll nicht entgegen.
Bislang gibt es in Deutschland kein Endlager für hochradioaktiven Müll. Er wird deshalb nur zwischengelagert. In Gorleben stehen bereits 56 Castor-Behälter, zu denen die zwölf Container aus La Hague in der kommenden Woche kommen sollen. Die Polizei ist wie bei den letzten Castor-Transporten mit einem Großaufgebot im Wendland im Einsatz, um die Behälter zu sichern. Am frühen Samstagmorgen wurden zwei Polizisten von unbekannten Steinewerfern verletzt, als sie an der Bahnstrecke bei Hitzacker auf Streife waren. Eine 22-jährige Beamtin erlitt nach Polizei-Angaben eine leichte Kopfverletzung, ein 28-jähriger Polizist eine Prellung an der Schulter. Die Fahndung nach den Tätern verlief zunächst erfolglos.