Holocaust-Mahnmal Symbolischer Baubeginn
Berlin - "Symbolisch" ist eine bequeme Umschreibung für das, was man de facto nicht tut, aber immerhin beabsichtigt. In diesem Sinne wurde am Donnerstag der symbolische Baubeginn des "Denkmals für die ermordeten Juden Europas" in Berlin zelebriert - in Anwesenheit von Bundeskanzler Gerhard Schröder, Bundespräsident Johannes Rau und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel. Eberhard Diepgen, Regierender Bürgermeister, war hart geblieben und nicht erschienen.
Nach über zehn Jahren der Diskussion und Planung sei es an der Zeit, "so schnell wie möglich " mit dem Bau zu beginnen, so Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, der auch Vorsitzender des Stiftungskuratoriums ist, in seiner Eröffnungsrede. Schon 1989 hatte eine Berliner Bürgerinitiative um die Journalistin Lea Rosh ("Dampfwalze Lea", so Rudolf Augstein) ein "unübersehbares Mahnmal" gefordert.
Was mit diesem Paukenschlag begann und über Jahre als Mahnmalsdebatte die Feuilletonseiten landauf landab füllte, wurde dann eher bescheiden und ein wenig klamm mit der Enthüllung einer Informationstafel auf dem Baugelände fortgeführt. Weit entfernt von jedem Pathos heißt es dort prosaisch: "Auf Beschluss des Deutschen Bundestags errichtet die Stiftung an diesem Ort das Denkmal für die ermordeten Juden Europas nach dem Entwurf des Architekten Peter Eisenman. Baubeginn 2001."
Eigentlich sollte an diesem Holocaust-Gedenktag der Grundstein des heftig umstrittenen Mahnmals gelegt werden, so die Stiftungskuratoren noch im vergangenen Dezember. Aus dem ersten Spatenstich aber wurde nichts - neben fehlenden Baugenehmigungen, ungeklärten Eigentumsfragen und nebulösen finanziellen Kalkulationen ist vor allem noch zu regeln, was genau gebaut werden soll. Der "modifizierte" Eisenman-Entwurf, den Kulurstaatsminister Michael Naumann mit auf den Weg gebracht hatte, sieht ein "Feld der Erinnerung" aus 2700 Betonstelen vor, das um einen bislang undefinierten "Ort der Information" ergänzt werden soll.
Der amerikanische Star-Architekt Eisenman hatte sich von Einsamkeitsgefühlen in den wogenden Getreidefeldern Iowas zu seinem Stelenwald inspirieren lassen - eine Erfahrung, die er scheint's an die Mahnmalsbesucher weitergeben will, um sie auf rätselhafte Weise für die "Erinnerung" an den Holocaust zu sensibilisieren und einzustimmen. Was Wunder, dass Naumann rigide von der generellen Überforderung moderner Kunst angesichts des Holocaust sprach und eilig, noch vor dem Bundestagsbeschluss im Juni '99, nach einem "kognitiven Zugang zum Thema" in Form eines zusätzlichen Informationsortes rief. Wie der aussehen soll, darüber wird das Stiftungskuratorium in seiner nächsten Sitzung beraten. Allerdings bleibt das Datum der Fertigstellung Spekulation, das Jahr 2002 wird momentan ebenso gehandelt wie das Jahr 2003.