Im Wortlaut Schröders Uno-Rede
New York - "Die Herausforderungen, vor denen die Vereinten Nationen zu Beginn des 21. Jahrhunderts stehen, sind gewaltig. Kriege und Unterdrückung, Armut und Krankheit sind keineswegs überwunden. Grenzüberschreitende Gefahren wie Terrorismus, Drogenkriminalität und Umweltverschmutzung, um nur einige zu nennen, verlangen täglich nach verstärkter internationaler Zusammenarbeit...
In ihrer unveränderten Schlüsselaufgabe - der Wahrung des internationalen Friedens und der Sicherheit - rückt für die Vereinten Nationen Krisenprävention immer mehr in den Vordergrund. Es gilt jetzt, aus den Erfolgen wie aus den Misserfolgen der jüngsten Friedensmissionen die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Besonders wichtig ist dabei eine Reform des Sicherheitsrates.
Dieser muss zugleich effizient und repräsentativ für die Staatengemeinschaft des 21. Jahrhunderts werden. Es kann die Erfolgsaussichten globaler Friedenssicherung nicht verbessern, wenn politisch und wirtschaftlich gewichtige Staaten nicht in die Entscheidungsfindung im Sicherheitsrat eingebunden sind. Ich möchte an dieser Stelle für die Bundesregierung bekräftigen: Bei einer Erweiterung des Kreises der Ständigen Mitglieder ist Deutschland zur Übernahme entsprechender Verantwortung bereit...
Mit Nachdruck tritt die Bundesregierung für das baldige Inkrafttreten des Statuts über den Internationalen Strafgerichtshof ein, der schwerste internationale Verbrechen wie Völkermord ahnden soll. Auch vor dem Hintergrund seiner Erfahrungen aus zwei Weltkriegen und zwei Systemen totalitärer Herrschaft im vergangenen Jahrhundert fühlt sich Deutschland der Wahrung der Menschenrechte und dem Schutz des Völkerrechts verpflichtet...
Mit der von der Bundesregierung im vergangenen Jahr initiierten Kölner Entschuldungsinitiative, die die G-8-Staaten auf ihrem Gipfel in Okinawa fortgeführt haben, haben wir die Voraussetzungen dafür geschaffen, Schuldenerleichterung mit einer Strategie der Armutsbekämpfung zu verbinden.
Deutschland wird den ärmsten hochverschuldeten Entwicklungsländern ihre gesamten bilateralen Schulden erlassen. Solche Initiativen können aber ihre volle Wirkung nur mit Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft und vor allem durch die Vereinten Nationen entfalten."