Internationale Presse "Ein vergifteter Kelch"
"New York Times"
"Merkels Aufstieg an die Spitze der deutschen Politik ist eine bemerkenswerte und unerwartete Tatsache. Noch vor wenigen Wochen stand sie wegen ihres schlechter als erwarteten Ergebnisses bei den Wahlen so in der Kritik ihrer eigenen Partei, dass Beobachter glaubten, sie würde bei jedem Koalitionsdeal mit der SPD gezwungen sein zurückzutreten.(...) Das ist nicht eingetreten. Zum einen, weil sich die Landesfürsten der CDU und ihrer Schwesterpartei CSU mit rückhaltloser Unterstützung überboten. Zum anderen, weil Angela Merkel die stille Entschlossenheit zeigte, die sie in die erste Reihe der in Deutschland männerdominierten Politik gebracht hat."
"The Times"
"Deutschlands finanzielle Lage ist sehr schlecht und es steht zu erwarten, dass die Arbeitslosenquote hoch bleibt. Angela Merkel wird dem Volk keine schnellen Lösungsmöglichkeiten bieten können, um sich so Unterstützung zu sichern und zu zeigen, dass alles wieder auf dem richtigen Weg ist. Sie hat die Kanzlerschaft errungen, aber es ist ein vergifteter Kelch. Viele Menschen glauben, dass sie nur eine kurzfristige Führungsfigur ist. Damit ist sie weit davon entfernt, die deutsche Margret Thatcher zu sein."
"Washington Post"
"Schröder ist gezwungen sich zurückzuziehen, nach sieben Jahren als Bundeskanzler. Während seine Kritik am Irak-Krieg der USA ausgesprochen populär in Deutschland war, waren die Wähler unzufrieden mit dem Versagen seiner Regierung, die Wirtschaft anzukurbeln und Arbeitsplätze zu schaffen. Die Zahl der Arbeitslosen ist in diesem Jahr auf fast zwölf Prozent gestiegen, die höchste Zahl seit dem Ende des zweiten Weltkrieges."
"Financial Times"
"Es war der größte Tag in Angela Merkels politischer Karriere und ein Meilenstein für Deutschland, aber der Welt zu sagen, wie sie sich fühlt, war fast zu viel für die künftige Kanzlerin.(...) Es war vielleicht naiv von den Journalisten und Deutschen, mehr zu erwarten. Denn schon in der Nacht des 18. September, nachdem ihre Partei Gerhard Schröders SPD knapp geschlagen hatte, konnte Merkel kaum lächeln, während ihr Rivale auf dem Parkett stolzierte und schwadronierte, als wäre er der Sieger."
"CNN"
"Manch einem mag Schröders Kampf um das Kanzleramt ungehörig oder sogar undemokratisch vorgekommen sein.(...) Aber Schröder sah keinen Grund seine Macht einfach herzugeben, insbesondere, da andere Koalitionsoptionen möglich waren. Es war die Sorte Kampf, die dieser Mann - den Fußballfreunde "Acker" tauften, weil er nie aufgab - schon seit seiner verarmten Kindheit und während seiner gesamten vierzigjährigen Karriere in der SPD kämpfen musste."