Jahrestag Kohl fehlt bei Mauerfall-Feier
Helmut Kohl: Das Reden fällt dem Altkanzler schwer
Foto: A2955 Wolfgang Kumm/ dpaBerlin - Helmut Kohl nimmt am Montag nicht an den Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag des Mauerfalls teil. Sein Büro teilte am Freitag in Berlin mit, der 79-Jährige bleibe damit bei seiner frühzeitig getroffenen Entscheidung.
Kohl war am 1. November bei der ersten großen Gedenkfeier zum 20. Mauerfalljubiläum öffentlich aufgetreten, zusammen mit dem früheren US-Präsidenten George Bush senior und dem ehemaligen Sowjetpräsidenten Michail Gorbatschow. Der 79-jährige Altkanzler ist seit einem schweren Sturz vor einem Jahr an den Rollstuhl gefesselt und kann nur noch schwerfällig reden. "Ich war gar nicht sicher, ob ich noch mal so einen Auftritt habe", sagte der CDU-Politiker.
Zum "Fest der Freiheit" werden Staatsgäste und Friedensnobelpreisträger aus aller Welt in Berlin erwartet. Bundeskanzlerin Angela Merkel wird die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union sowie den russischen Präsidenten Dmitrij Medwedew und die US-Außenministerin Hillary Clinton am Brandenburger Tor zu einem zentralen Festakt empfangen.
Schmidt lobt Kohl
Helmut Schmidt, Kohls Vorgänger als Kanzler, lobt derweil das Engagement des CDU-Politikers im Vereinigungsprozess. "Wichtig war, dann auch im entscheidenden Moment das Richtige zu tun. Helmut Kohl hat da vor allem eine Sache glänzend angepackt: sein Zehn-Punkte-Programm Ende November im Bundestag", sagte Schmidt der "Bild"-Zeitung. "Wenn man die zehn Punkte heute liest, dann war da noch nicht von staatlicher Einheit die Rede. Wohl aber hat er der Weltöffentlichkeit einen Anstoß gegeben, sich mit dieser Frage auseinanderzusetzen. Ein ganz wichtiger Vorstoß!"
Er selbst habe den Mauerfall vor 20 Jahren vor dem Fernseher verfolgt. "Dort sah ich, wie die schreckliche Teilung Deutschlands friedlich, ohne einen Schuss, überwunden wurde, und mir kamen die Tränen", sagte Schmidt. Tags darauf seien die ersten Schmidt-Fans aus der DDR in Hamburg angekommen: "Da war unser Haus belagert von DDR-Bürgern, die sich mit ihrem Trabi durchgekämpft hatten bis nach Hamburg-Langenhorn, um zu sehen, wo diese Schmidts wohnen." Er selbst habe damals nicht damit gerechnet, dass die Wiedervereinigung noch zu seinen Lebzeiten geschehen könnte.
Merkel stieß mit Bier auf Mauerfall an
Angela Merkel wiederum stieß vor 20 Jahren auf den Mauerfall mit einer Dose Bier in einer wildfremden West-Berliner Wohnung an. "Der Empfang in West-Berlin war sehr, sehr herzlich", erinnert sich die Kanzlerin an den 9. November 1989 in einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Rundschau". "Ich empfand wie alle anderen eine unglaubliche Freude."
Dabei verschwitzte die damals 35 Jahre alte Wissenschaftlerin fast die Maueröffnung. Nach der Pressekonferenz, in der SED-Politbüromitglied Günter Schabowski die sofortige Reisefreiheit ankündigte, habe sie zwar ihre Mutter angerufen, um sie an eine alte Verabredung zu erinnern, schreibt Merkel: "Wenn uns die Mauer nicht mehr am Reisen hindern würde, würden wir im Kempinski Austern essen gehen." Sie habe aber nicht damit gerechnet, dass sich die Grenze so schnell öffnet. "Also ging ich wie jeden Donnerstagabend in die Sauna. Als ich zurückkam, hörte ich, der Grenzübergang Bornholmer Straße sei offen. Ich bin sofort hingelaufen und habe wie tausend andere Menschen den Grenzübergang nach Westen überquert."