Kampfansage Schröder will Kanzler bleiben
Berlin - "Ich fühle mich bestätigt, dass es in den nächsten vier Jahren eine stabile Regierung unter meiner Führung geben wird", sagte Schröder. Später ergänzte er in der sogenannten Elefantenrunde von ARD und ZDF: "Niemand außer mir ist in der Lage, eine stabile Regierung zu bilden." Vor seinen Anhängern hatte er zuvor erklärt: Er verstehe nicht, wie die Union aus ihrem desaströsen Wahlergebnis einen politischen Führungsanspruch ableitet. "Alle diejenigen, die einen Wechsel im Amt des Bundeskanzlers erstreben wollten, sind grandios gescheitert."
Allerdings hat die SPD das schlechteste Ergebnis seit der Wiedervereinigung eingefahren. 1990 bekam sie 33,5 Prozent unter dem Kandidaten Oskar Lafontaine, der gegen Helmut Kohl haushoch verlor. 2002 erreichte Schröder mit 38,5 Prozent ganz knapp die Mehrheit gegen Herausforderer Edmund Stoiber. Die starken Grünen bescherten ihm die Kanzlerschaft. 1998, als Schröder die Kohl-Kanzlerschaft beendete, erreichte die SPD noch 40,9 Prozent gegenüber 35,1 für die Union.
Schröder ficht der Verlust nicht an: Die SPD habe etwas erreicht, was vor Wochen professionelle Beobachter der Medien nicht für möglich gehalten haben. "Sie können sich vorstellen wie jemandem zumute ist, der aus einer angeblich heillos verlorenen Position mit Hilfe der Bürgerinnen und Bürger das Ergebnis gewendet hat." Er sei stolz auf die Menschen im Land und stolz auf die demokratische Kultur, mit der bewiesen worden ist, das Medienmacht und Medienmanipulation das demokratische Selbstbewusstsein nicht erschüttern.
Es gehe jetzt darum, "dafür zu sorgen, dass in Deutschland Reformprozesse in Gang kommen, ohne den sozialen Zusammenhalt zu gefährden". Der wirtschaftliche Aufschwung müsse mit ökologischer Sensibilität gepaart sein. Außerdem gehe es darum, dass dieses Deutschland in den zunehmenden internationalen Konflikten als verlässliche mittlere Macht für Frieden und Ausgleich wahrgenommen wird". Morgen werde die SPD unter Führung von Parteichef Franz Müntefering erste Gespräche zur Regierungsbildung aufnehmen, und zwar mit allen Parteien außer mit der PDS und Lafontaine. "Mit denen werden wir nicht reden."