Kandidatensuche: Köhler oder Schavan oder Kirchhoff oder von Pierer - DER SPIEGEL
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Kandidatensuche Köhler oder Schavan oder Kirchhoff oder von Pierer

In Berlin wird weiter verhandelt. Bei der Kandidatensuche für das Bundespräsidentenamt soll der bis zuletzt heiß gehandelte IWF-Chef Horst Köhler wieder aus dem Rennen sein. Was die CDU-Spitze dementiert. Im Gespräch ist weiter Annette Schavan und seit dem Abend auch Heinrich von Pierer und Paul Kirchhof.
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Berlin - Der Generaldirektor des Internationalen Währungsfonds, Horst Köhler, soll nicht mehr zum Kreis der Präsidentschaftskandidaten von Union und FDP gehören. Das sickerte am Rande der CDU-Präsidiumssitzung am Mittwoch kurz vor Mitternacht in Berlin durch. Etwas später der Kommentar aus der Parteispitze: Nein, Köhler bleibe weiter Favorit.

In getrennten Krisensitzungen haben CDU, CSU und FDP am Mittwochabend nochmals stundenlang nach einem Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten gesucht. Allerdings ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Vor allem der Direktor des Internationalen Währungsfonds, Horst Köhler, wurde zuletzt als möglicher Nachfolger von Johannes Rau genannt. Für das 61-jährige CDU-Mitglied signalisierten die Liberalen Zustimmung.

Im Gespräch waren am späten Mittwochabend aber auch noch drei weitere Namen, wie es aus Unionskreisen hieß: die baden-württembergische Kultusministerin Annette Schavan, der Verfassungsrechtler Paul Kirchhof und Siemens-Chef Heinrich von Pierer.

Bis in die Nacht hinein wird weiter verhandelt. Für Mitternacht waren weitere telefonische Absprachen anberaumt. Die CSU forderte die CDU auf, die Entscheidung zunächst in den eigenen Reihen voranzutreiben. Die CSU warte die weitere Diskussion in der CDU ab, sagte Generalsekretär Markus Söder. Auch wenn Beteiligte versicherten, dass bei den Gesprächen nicht über Namen gesprochen wurde, so hieß es, dass das Präsidium der Christsozialen entweder von Pierer, Schavan, oder den ehemaligen Verfassungsrichter Paul Kirchhof sowie Köhler akzeptieren würden. Nun warte die CSU die Diskussion in der CDU ab, hieß es.

CDU-Chefin Angela Merkel, CSU-Vorsitzender Edmund Stoiber und FDP-Vorsitzender Guido Westerwelle hatten bereits in der Nacht zum Mittwoch und am Mittwochmorgen stundenlang miteinander verhandelt. Ergebnis war jedoch nur, dass Schäuble für die FDP nicht akzeptabel ist, wie Merkel und Stoiber anschließend mitteilten. Beide äußerten sich dennoch optimistisch, dass doch noch ein gemeinsamer Bewerber gefunden werde.

In der CDU-Präsidiumssitzung wurde dem Vernehmen nach hitzig über die Kandidatensuche debattiert. Der hessische Ministerpräsident Roland Koch übte schon vor Beginn heftige Kritik am bisherigen Verfahren. Dieses sei "sehr chaotisch" verlaufen. Man müsse sich darüber unterhalten, ob sich die CDU einen Kandidaten diktieren lassen könne. Koch hatte sich für Schäuble ausgesprochen. Stoiber sagte in München, die FDP habe mit Schäuble einen Kandidaten aus der Champions-League abgelehnt. Westerwelle sagte in Berlin, er wolle nach wie vor mit der Union einen gemeinsamen Kandidaten finden.

Für Donnerstag früh setzte die Unionsfraktion in Berlin eine Sondersitzung an. "Vielleicht steigt dann schon weißer Rauch auf", sagte der parlamentarische Geschäftsführer Peter Ramsauer (CSU). Söder kündigte an, dass die Parteivorsitzenden am Donnerstag die Ergebnisse der Suche mitteilen würden. CSU-Landesgruppenchef Michael Glos sprach angesichts des Widerstands der FDP gegen Schäuble von einer "neuen Sachlage". Einen Verzicht Schäubles auf eine Kandidatur würde er bedauern, hätte aber Verständnis dafür, sagte Glos. Angeblich suchte die Union auch am Mittwochabend noch nach Wegen, Schäuble vielleicht doch noch durchzusetzen.

Nach einer Forsa-Umfrage für den "Stern" halten 48 Prozent der Befragten den stellvertretenden Unionsfraktionsvorsitzenden nicht für das Bundespräsidentenamt geeignet. 44 Prozent halten ihn für befähigt, acht Prozent waren unentschieden. Angesichts der Diskussion wurden Forderungen nach einer Direktwahl des Staatsoberhaupts laut. Dafür plädierten vor allem FDP-Politiker.